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11.05.2026

Wissenschaft des Unbekannten: Bodenökologie

2025-05-11.jpgDer einzige bekannte von Boden bedeckte Planet ist die Erde. Doch darüber, was in mit unseren Böden geschieht, wissen noch wenig.  Unter unseren Füßen leben unzählige Bakterien, Pilze und Tiere, die den Boden aufbauen und fruchtbar machen. 90 Prozent aller fruchtbaren Böden sind derzeit schätzungsweise bedroht. Es gilt daher, die Zerstörung des Bodens aufzuhalten. 

Der Wissenschaftsjournalist Jörg Blech und der Bodenökologe Professor Dr.  Matthias Rillig haben einen lesenswerten Auszug aus ihrem 2025 erschienen Buch „Mutter Erde. Wie der Verlust des Bodens unseren Planeten bedroht“ bearbeitet und am 8. Mai 2026 bei der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht. (1) Die Rolle des Bodens als Lebensraum sei noch vergleichsweise wenig erforscht betonen Blech und Rillig.  „Von allen Mikroorganismen, die auf der Erde leben, ist bislang vermutlich nur ein Prozent der Wissenschaft bekannt, in dem Sinne, dass die betreffenden Arten formal beschrieben sind und dass man etwas über ihre Biologie weiß. Der riesige, unbekannte Rest der Mikroorganismen lebt im Boden: Arten, die noch nicht beschrieben sind und von denen man meist nur ein paar Schnipsel vom Erbgut kennt. Beim Schlagwort „Biodiversität“ denken viele an mächtige Eichen, an Eichhörnchen, Eichelhäher oder andere Lebewesen, die uns auf einem Spaziergang oberirdisch begegnen. Doch die eigentliche Schau findet unterirdisch statt: Nach neuen Befunden leben in der Erde weit mehr Organismen als auf der Erde.“ (1) 

Dass auch Mikroplastik unter anderem  aus Reifenabrieb, Klärschlämmen, Gärresten, Komposten oder Granulaten eine wichtige Rolle spielen, machte das Umweltbundesamt in seiner im November 2021 veröffentlichten Studie „Kunststoffe in Böden“ (128/2021) (2) deutlich. Die Autoren und Autorinnen beschrieben eine mit großen Unsicherheiten  behaftete und vielfach ungenügende Datenlage zum mengenmäßigen Eintrag und Verbleib von Kunststoffen und zu den Auswirkungen von Mikroplastik in den Böden. 

Im Auftrag des NABU veröffentlichten Fraunhofer UMSICHT und Ökopol im Mai 2021 die Studie „Kunststoffe in der Umwelt: Emissionen in landwirtschaftlich genutzte Böden.“ (3)  Auch deren Zahlen waren mit Unsicherheiten behaftet: „In einem durchschnittlichen landwirtschaftlichen Betrieb werden pro Jahr 4,3 Tonnen Kunststoff verbraucht. 2,3 Tonnen (53 % bezogen auf den Verbrauch) fallen als Abfall an. 2,0 Tonnen pro Jahr (47 %) werden nicht in den Kreislauf zurückgeführt. Der Verbleib dieser Menge ist bis heute nicht untersucht.“  

Man schätzt, dass fünf- bis zwanzigmal mehr Plastik an Land als im Wasser zu finden ist. Es geht wahrscheinlich um jährlich rund fünf Millionen Tonnen Plastik, die weltweit in unsere Böden gelangen.  Da die Kunststoffe nur langsam zerfallen, wächst ihr Anteil auch in Grünflächen und auf Ackerböden. Über die genauen Eintragswege, Transportprozesse und über mögliche gesundheitliche Auswirkungen für Mensch und Tier ist viel zu wenig bekannt. Vorsorgender Bodenschutz ist nötig, denn der Boden vergisst nichts. Wieviel wird er uns Menschen verzeihen können?

Verweise
1. Jörg Blech und Matthias Rillig. Die größte Bühne des Lebens. APuZ - Aus Politik und Zeitgeschichte. [Online] 8. Mai 2026. https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/boden-2026/577831/die-groesste-buehne-des-lebens/

2. Isger Schneider u.a. Kunststoffe in Böden. Umweltbundesamt Texte 128/20221. [Online] November 2021. https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/479/publikationen/texte_128-2021_kunststoffe_in_boeden_0.pdf

3. Jürgen Bertling, Till Zimmermann, Lisa Rödig. Kunststoffe in der Umwelt: Emissionen in landwirtschaftlich genutzten Böden,. Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT. [Online] 7. Mai 2021. https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/konsumressourcenmuell/210521-fraunhofer_oekopol_studie_plastik_landwirtschaft.pdf

Grenzlandgruen - 10:25 @ Aus Wissenschaft und Forschung | Kommentar hinzufügen

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