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12.08.2026
Wie nachhaltig werden die Hyperscaler im Rheinischen Revier?
Die Ansiedlung der Hyperscaler im Rheinischen Revier wird kontrovers diskutiert, denn die Nachhaltigkeitsfrage lässt sich bei den Rechenzentren nicht einfach wegdiskutieren. (1) Während die Landesregierung NRW und Investoren die Projekte als ökologisch-digitalen Leuchtturm des Strukturwandels darstellen („Von der Kohle zur KI“ - (2) kritisieren Umweltverbände wie der BUND zentrale Aspekte bezüglich Flächenverbrauch, Wasserbedarf und Energiebilanz.
Neben den Vorhaben in Grevenbroich (1) Elsdorf und Bedburg plant die Microsoft Deutschland MCIO GmbH am Standort in Bergheim/Paffendorf den Aufbau eines Rechenzentrum-Campus. Der Standort liegt an der Kreisstraße K41. Um flexibel auf den zukünftig steigenden Bedarf an Rechenleistung in Deutschland reagieren zu können, soll der Campus in Phasen mit bis zu drei Rechenzentren-Gebäuden (NRW01, NRW02 und NRW03) entwickelt werden.
Im Rahmen der Phase 1 hat die Microsoft Deutschland MCIO GmbH bei der Bezirksregierung Köln eine Genehmigung beantragt, die Netzersatzanlage Nr. 53-2024-0048486 auf dem Werksgelände in Paffendorf errichten und betreiben zu dürfen.
Die öffentliche Beteiligung fand vom 26. Mai bis zum 27. Juli 2026 statt. Ein öffentlicher Erörterungstermin ist für Mittwoch, 19. August in Bedburg vorgesehen. (2 S. 405)
Regine Becker vom Landesbüro der Naturschutzverbände NRW hat am 27. Juli 2027 gegenüber der Bezirksregierung Köln zum immissionsrechtlichen Genehmigungsverfahren für die Notstromversorgung des geplanten ersten Microsoft-KI-Rechenzentrums in Bergheim/Paffendorf. (3)
Geplant ist der Bau von 36 Diesel-Notstromaggregaten mit einer Feuerungswärmeleistung von rund 300 Megawatt. CO₂-Emissionen: Bei angenommenen 400 Betriebsstunden pro Jahr würde die Anlage jährlich ca. 40.000 bis 107.000 Tonnen CO₂ emittieren. Das Landesbüro kritisiert dies als klimapolitischen Rückschritt. Das Konzept widerspreche sowohl den gesetzlichen Zielvorgaben (Klimaneutralität bis 2045) als auch den eigenen Nachhaltigkeitsversprechen von Microsoft. (4)
Kritisiert wird, dass lediglich Teilanlagen isoliert bewertet werden, anstatt das Gesamtrechenzentrum sowie alle vier im Rheinischen Revier geplanten Hyperscaler-Standorte in einer Gesamtschau zu prüfen. Durch diese Aufspaltung entzögen sich die kumulierten Umweltauswirkungen weitgehend der öffentlichen und ökologischen Kontrolle.
Bereits am 21. April 2026 hatte die grüne Regionalratsfraktion in Düsseldorf eine Anfrage zu den kumulativen Auswirkungen der geplanten Rechenzentren im Rheinischen Revier gestellt und die Antwort der Bezirksregierung Düsseldorf als „Bankrotterklärung einer Raumplanung“ bewertet, die „die materielle Infrastruktur der Digitalisierung noch immer wie eine unsichtbare Zukunftstechnologie behandelt, obwohl Rechenzentren in erheblichem Maße Wasser, Energie und Landschaft verbrauchen.“ (5)
Auch die NRW-Landtagsabgeordnete Antje Grothus (Grüne) betonte am 28. Juli 2026 gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger: „Zudem gilt es, die Rechenzentren nicht nur vollständig mit erneuerbaren Energien zu betreiben, sondern sie auch flächensparsam zu errichten, möglichst ressourcenschonend produzierte Komponenten einzusetzen und wertvolle Ressourcen wie Wasser sowie die entstehende Abwärme konsequent zu nutzen.“ (4)
Doch eine Prognose zum Wasserverbrauch liege noch nicht vor, gestanden Sprecher des Wasserversorgers RWW, des Rhein-Erft-Kreises sowie der Städte Elsdorf, Bedburg und Bergheim. „Auch wenn die technischen Details und Abstimmungen in der Zuständigkeit des Vorhabenträgers noch nicht finalisiert sind, ergibt sich aus der Erkenntnis, dass es sich um ein geschlossenes Kühlwasserkreislaufsystem handelt, dass der Wasserhaushalt nicht stark belastet wird“, beruhigte die Pressestelle der Stadt Bergheim. (6)
Wann simulieren wir in der Cloud die Artenvielfalt, die wir am Boden gerade versiegeln und verdunsten lassen?
Verweise
1. Benjamin Sartory. Grevenbroich erhält Zuschlag für Microsoft-Rechenzentrum. WDR. [Online] 1. Juli 2026. https://www1.wdr.de/nrw/niederrhein/rhein-kreis-neuss/grevenbroich-kriegt-microsoft-rechenzentrum-100.html
2. Amtsblatt für den Regierungsbezirk Köln. Öffentliche Bekanntmachung gemäß BImSchG, h i e r : Microsoft Deutschland MCIO GmbH,. [Online] 18. Mai 2026. https://www.bezreg-koeln.nrw.de/system/files/media/document/file/amtsblatt_2026_20.pdf
3. Landesbüro der Naturschutzverbände NRW. Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb einer Netzersatzanlage (NRW01) in Bergheim-Paffendorf; Genehmigungsantrag nach § 16 Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) sowie Antrag auf Zulassung des vorzeitigen Beginns nach § 8a BImSchG der Microsoft … [Online] 27. Juli 2026. https://www.bund-nrw.de/fileadmin/nrw/dokumente/Energie_und_Klima/Rechenzentren/2026-07-28-STN-Hyperscaler-Notstrom-Bergheim.pdf
4. Elena Pintus. BUND kritisiert Diesel-Notstromversorgung in Rechenzentren im Rhein-Erft-Kreis. Kölner Stadtanzeiger. [Online] 28. Juli 2026. https://www.ksta.de/region/rhein-erft/rhein-erft-bund-kritisiert-diesel-notstrom-in-rechenzentren-1336122
5. Bündnis 90/Die Grünen im Regionalrat Düsseldorf. Anfrage und Antwort “Kumulative Betrachtung der Auswirkungen der geplanten Rechenzentren im südlichen Rhein-Kreis Neuss. [Online] 21. April 2026. https://gruene-regionalrat-duesseldorf.de/aktuell/anfrage-zu-der-kumulativen-wirkung-mehrer-rechenzentren/
6. Rafael Greboggy. Höhe des Wasserverbrauchs in Rechenzentren in Rhein-Erft unklar. Kölner Stadtanzeiger. [Online] 14. Juli 2026. https://www.ksta.de/region/rhein-erft/bergheim/rhein-erft-kreis-wasserverbrauch-der-rechenzentren-unbekannt-1320118
Grenzlandgruen - 17:09 @ Nachrichten aus der Region, Akteure und Konzepte | Kommentar hinzufügen
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