Suchen
13.08.2026
Umsetzung der Nitratrichtline in der Grenzregion
Sie gilt seit 1991 und hat sich nach der aktuellen Evaluierung der Europäischen Kommission bewährt: die im deutsch-niederländischen Grenzland viel diskutierte Nitratrichtlinie. Sie will eine gute landwirtschaftliche Praxis bei der Nutzung von Dünger und Gülle etablieren, nitratgefährdete Gebiete europaweit ausweisen und verbindliche Aktionsprogramme für landwirtschaftliche Betriebe in diesen Risikogebieten ausweisen.
Die Europäische Kommission bewertet sie insgesamt als wirksam und beziffert den gesamtgesellschaftlichen Nutzen auf ca. 10 – 22 Milliarden Euro pro Jahr. Die Umsetzungkosten liegen bei rund 3 Milliarden und konzentrieren sich vor allem auf Regionen mit einer hohen Viehdichte. Eine Reform der Nitratrichtlinie sei daher nicht vorgesehen. Die Europäische Kommission will sie allerdings bürokratieärmer umsetzen. (1)
Man nennt es auch den Güllegürtel: Limburg, Gelderland, Kreis Kleve und Kreis Viersen gehören neben West-Flandern, Münsterland/Weser-Ems zu den europäischen Hotspots der Tierhaltung mit bis zu 170 sog. Großvieheinheiten (GVE) pro Quadratkilometer. Eine Großvieheinheit entspricht 500 kg und dient als Umrechnungsschlüssel zum Vergleich verschiedener Nutztiere auf Basis ihres Lebendgewichtes. Sie entspricht statistisch gesehen etwa einer Kuh, drei Zuchtsauen oder 50 Ferkel oder 330 Legehennen… (2) Der EU-Durchschnitt liegt bei ca. 27 GVE/km².
Die extreme Konzentration von Nutztieren in Ballungsräumen wie Limburg, Gelderland, West-Flandern oder dem Niederrhein führt zu einem massiven regionalen Gülle-Überschuss. Da die vorhandenen landwirtschaftlichen Flächen die anfallenden Mengen an Stickstoff (N) und Phosphor (P) biologisch nicht verwerten können, hat dies negative Folgen für die Boden- und Wassersysteme der betroffenen Regionen. Die entsprechenden Werte überschreiten die rechtlichen Vorgaben der EU-Nitratrichtlinie. (3) In Zeiten der Dürre steigen die anteiligen Sticksoff- und Phosphorwerte…
Nachdem das Bundesverwaltungsgericht am 24.10.2025 in einem Grundsatzurteil (4) entschieden hat, dass die bundesrechtliche Ermächtigungsgrundlage für die Landesdüngeverordnungen verfassungswidrig ist, greifen die auf deutscher Seite vorgesehen Verschärfungen für die sog. roten Gebiete nicht mehr. Das betraf auch den Kreis Viersen und den Kreis Kleve. Aus den roten Gebieten sollen nun rote Betriebe werden. Bis zur Agrarministerkonferenz im September 2026 soll ein Konzept zum neuen Düngerecht ausgearbeitet sein… (5)
Das niederländische Kabinett hat im Juni 2026 ein 20 Milliarden Euro umfassendes Maßnahmenpaket (6) beschlossen, um durch den Umbau von Landwirtschaft, Natur und Wirtschaft die Stickstoffkrise (7) zu lösen. (8)
Betriebsbezogene Emissionsgrenzen sollen festgelegt werden, die Tierhaltung an die verfügbare landwirtschaftliche Fläche gekoppelt werden. Um sensible Naturgebiete sollen Pufferzonen mit Einschränkungen für die Landwirtschaft errichtet werden. Für Bachtäler sind landwirtschaftliche Sperrzonen vorgesehen. Massiv investiert werden soll in die Stillegung landwirtschaftlicher Betriebe und in die Renaturierung der geschädigten Ökosysteme. Ob und wie die Minderheitsregierung ihre Beschlüsse im Parlament durchsetzen wird, ist noch offen. Die Bevölkerung ist in der Frage des neuen Stickstoffpakets tief gespalten, nur 25 % befürworten es uneingeschränkt. (9) Für Freitag sind Bauernproteste nicht nur in der Provinz Limburg angekündigt.
Die Provinz Limburg will ihre Fläche für den ökologischen Landbau von derzeit 3,35% auf 6,7% im Jahre 2030 erhöhen und hat dazu am 6. August 2026 im Rahmen der Limburger Stickstoffoffensive (10) einen „Stimulierungsplan biologische landbouw“ (11) veröffentlicht, der als „Inspirationsquelle für die breitere Transformation der Landwirtschaft“ dienen soll.
Verweise
1. European Commission. Evaluation of the Nitrates Directive (Council Directive 91/676/EEC) - Executive Summary. [Online] 15. Juli 2026. https://environment.ec.europa.eu/document/download/f13c2730-914c-4434-a159-d15f60a26118_en?
2. Eurostat. Agri-environmental ndicator - livestock patterns. [Online] Januar 2024. https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/SEPDF/cache/14882.pdf
3. Sina Zehrfeld. Ein Drittel der Anbaufläche von NRW wird zum „Roten Gebiet“. Rheinische Post. [Online] 1. Dezember 2022. https://rp-online.de/nrw/landespolitik/neue-nrw-verordnung-bauern-duerfen-nicht-mehr-so-viel-duengen_aid-80397833
4. Bundesverwaltungsgericht. Bayerische Ausführungsverordnung zur Düngeverordnung ist unwirksam. [Online] 24. Oktober 2025. https://www.bverwg.de/pm/2025/82
5. Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft. Systemwechsel im Düngerecht. [Online] März 2026. https://www.dlg.org/magazin/duengeverordnung-systemwechsel-agrarministerkonferenz
6. Overheid.nl. Kamerbrief Weer ruimte voor boer, natuur en bouw: maatregelpakket voor land bouw, natuur en stikstof . [Online] 26. Juni 2026. https://open.overheid.nl/details/bc6acef2-0bb5-4ea6-976d-c7630b45ac89.
7. Grenzlandgrün. Landwirtschaft und Stickstoff. [Online] https://www.grenzlandgruen.de/Landwirtschaft-und-Stickstoff
8. Janine Damm. Niederlande wollen Stickstoffkrise lösen: Kabinett beschließt milliardenschweres Maßnahmenpaket. Deutsch-Niederländische Handelskammer. [Online] 29. Juni 2026. https://www.dnhk.org/de/news/2026/niederlande-wollen-stickstoffkrise-loesen-kabinett-beschliesst-milliardenschweres-massnahmenpaket
9. Maurice de Hond. Stikstof verdeelt Nederland langs partijlijnen. MDH. [Online] 2. August 2026. https://maurice.nl/2026/08/02/stikstof-verdeelt-nederland-langs-partijlijnen/
10 Provincie Limburg. Limburgs Offensief Stikstof. [Online] https://www.limburg.nl/onderwerpen/natuur-en-landschap/actuele-projecten/limburgs-offensief-stikstof/
11. Downlaod. [Online] https://www.grenzlandgruen.de/Landwirtschaft-und-Stickstoff
Grenzlandgruen - 17:43 @ Umwelt, Landwirtschaft, Europa | Kommentar hinzufügen
Archiv
| 2026: | Januar | Februar | März | April | Mai | Juni | Juli | August | September |
| 2025: | Januar | Februar | März | April | Mai | Juni | Juli | August | September | Oktober | November | Dezember |
| 2024: | Januar | Februar | März | April | Mai | Juni | Juli | August | September | Oktober | November | Dezember |
| 2023: | Januar | Februar | März | April | Mai | Juni | Juli | August | September | Oktober | November | Dezember |
| 2022: | Januar | Februar | März | April | Mai | Juni | Juli | August | September | Oktober | November | Dezember |
| 2021: | Januar | Februar | März | April | Mai | Juni | Juli | August | September | Oktober | November | Dezember |
| 2020: | Oktober | November | Dezember |