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17.08.2026
Klimawandel und globale Medienverzerrungen: Warum werden weltweit die Auswirkungen des Treibhauseffekts unterschätzt?
Die Berichterstattung ausländischer Medien über Katastrophen ist uneinheitlich: Erdbeben und Vulkanausbrüche beherrschen weltweit die Schlagzeilen, während Überschwemmungen und Dürren – die Katastrophen, die am engsten mit dem Klimawandel zusammenhängen – kaum Beachtung finden. Denn es gilt weltweit, dass Medien besonders dann über Katastrophen berichten, wenn sie plötzlich auftreten, mit dramatischen Bildern einhergehen, viele Opfer fordern und wenn viele soziale Verbindungen zu den betroffenen Menschen und Regionen bestehen. Und die korrelieren mit der Ähnlichkeit der jeweiligen Bevölkerungen auf DNA-Ebene. Je stärker im Schnitt das Erbgut der Menschen in zwei verschiedenen Ländern übereinstimmt, desto mehr persönliche Beziehungen gibt es zwischen den Menschen und umso häufiger berichten Medien in dem einen Land über Naturkatastrophen in dem anderen Land.
Das sind einige Ergebnisse der vom Europäischen Forschungsrat und der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten und am 14. August 2026 veröffentlichten Studie „Uneven Patterns of Cross-Border Media Coverage Following Natural Disasters“ (1). Autoren sind die Wirtschaftswissenschaftler Dr. Thiemo Fetzer (2) von der Uni Bonn und Dr. Prashant Garg (3) von der Universität Cambridge. Sie haben die weltweite Berichterstattung zu mehr als 2600 Naturkatastrophen seit 2016 ausgewertet.
Grundlage waren Daten des „Europe Media Monitor“ (EMM). Die Datenbank der Europäischen Kommission erfasst und analysiert KI-gestützt in 80 Sprachen täglich die veröffentlichten Texte von 20.000 Websites und 500.000 Online-Seiten. (4) Diese Daten kombinierten die Forscher mit denen der internationalen Katastrophen-Datenbank EM-DAT (5). EMM erfasst, was wann und wo in den Medien berichtet wird und EM-DAT, sagt, was und wo eine Naturkatastrophe stattgefunden hat.
Auffällig ist der Anstieg der Berichterstattung bei besonders „nachrichtenwürdigen“ Katastrophen (Erdbeben, Unfälle, Waldbrände) im Vergleich zu den durch den Klimawandel verursachten Katastrophen (Stürme, Überschwemmungen, extreme Temperaturen). (6) Dürren und Überflutungen - zwei der wichtigsten Effekte des Klimawandels – sind in der medialen Katastrophenberichterstattung unterbelichtet. Persönliche Verbindungen sorgen zudem für ein größeres mediales Interesse und auch für mehr Empathie.
Die Größe dieses Effekts lässt sich verdeutlichen, wenn man auf Basis der in der Studie gefundenen Zusammenhänge die zu erwartende Medienresonanz auf eine hypothetische Naturkatastrophe berechnet: Mal angenommen, in Mexiko würde ein Sturm 62 Todesopfer fordern. Dann würde den Studiendaten zu Folge die Reaktion der Medien in Deutschland ähnlich stark ausfallen wie bei einem Sturm mit 100 Opfern in Bangladesh - und das, obwohl Bangladesh weniger weit von uns entfernt ist. So berichten über Trockenheits-Perioden meist nur die Medien in den betroffenen Ländern selbst. Bei Überflutungen sieht es ähnlich aus - auch sie erregen weniger grenzüberschreitendes Interesse als etwa Lawinen oder Erdbeben.
„Dadurch wird es leichter, die Konsequenzen der Erderwärmung zu ignorieren - zumindest solange, wie sie sich nicht vor unserer eigenen Haustür abspielen“, sagt Professor Fetzer. Das könnte eine Erklärung sein, warum viele Menschen weltweit die Auswirkungen des Treibhauseffekts noch immer unterschätzen. (7)
Verweise
1. Thiemo Fetzer, Prashant Garg. Uneven patterns of cross-border media coverage following natural disasters. Natur Human Behaviour. [Online] 14. August 2026. https://www.nature.com/articles/s41562-026-02512-6
2. Thiemo Fetzer. Thiemo Fetzer. [Online] https://www.trfetzer.com/
3. Prashant Garg. [Online] abgerufen am 17. August 2026.] https://prashantgarg.org/standard/
4. European Commission. Europe Media Monitor. [Online] 29. Mai 2026. https://knowledge4policy.ec.europa.eu/europe-media-monitor/about_en
5. EM-DAT. Monitoring hazards & disasters worldwide since 1988. [Online] [abgerufen am 17. August 2026.] https://www.emdat.be/
6. Thiemo Fetzer. Berichterstattung über transnationale Naturkatastrophen. [Online] [abgerufen am 17. August 2026.] https://www.trfetzer.com/megeo-dyadic-news/
7. Universität Bonn. Dürren und Überflutungen laufen besonders schlecht. Studie der Universität Bonn analysiert internationale Berichterstattung über Naturkatastrophen. [Online] 14. August 2026. https://www.uni-bonn.de/de/neues/162-2026
Grenzlandgruen - 11:02 @ Aus Wissenschaft und Forschung, Umwelt | Kommentar hinzufügen
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