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01.09.2026

RIWA-Rijn - Jahresbericht 2025: Über Defizite deutscher Genehmigungsverfahren

2026-09-01.pngRIWA-Rijn (Vereniging van Rivierwaterbedrijven) vertritt als Wissenszentrum und Interessenvertreter seit über 75 Jahren die niederländischen Trinkwasserversorger, die Rheinwasser für rund fünf Millionen Menschen nutzen. Der Verband hat heute seinen 224 Seiten umfassenden Jahresbericht 2025 veröffentlicht (1). Er zeigt, dass es für die niederländischen Trinkwasserwerke immer aufwändiger wird, das Rheinwasser aufzubereiten.  

Unter dem Motto „Was nicht hineingelangt, müssen wir auch nicht entfernen“, konzentriert sich RIWA-Rjin darauf, Verunreinigungen bereits an der Quelle zu vermeiden. Der Jahresbericht 2025 macht deutlich, dass in Zeiten des Klimawandels und des steigenden Trinkwasserbedarfs, die bekannten Problemstoffe relevant bleiben und neue Risiken entstanden sind. Dabei stehe Lithium im Fokus, „da im Rheineinzugsgebiet mehrere Aktivitäten im Zusammenhang mit der Lithium-Förderung stattfinden (werden). So wird beispielsweise im südlichen Rheintal (dem sogenannten Rheingraben) Lithium als Nebenprodukt der geothermischen Energiegewinnung gefördert, und im Chemiepark in Dormagen (Nordrhein-Westfalen) hat man mit dem Recycling von Batterien und lithiumhaltigen Abfällen begonnen. Aufgrund dieser Aktivitäten besteht die Gefahr, dass die Lithiumkonzentration im Rhein in Zukunft steigen wird.“ (1 S. 33). Die Energiewende dürfe nicht auf Kosten der Rheinwasserwasserqualität und der Trinkwasserversorgung für Millionen Niederländer und Niederländerinnen gehen. RIWA-Rijn plädiert daher für eine Umweltqualitätsnorm für Lithium, eine strengere Genehmigungspolitik und eine bessere Zusammenarbeit der Rheinanliegerstaaten. (1 S. 35)

Lithium ist ein natürlich vorkommendes, essenzielles Element, das in hohen Konzentrationen toxisch werden kann. Daher sind Lithium und PFAS aus gutem Grund in der Kritik: Beide Substanzen sind extrem langlebig, reichern sich in der Umwelt an und stehen im Verdacht, das Immun- und Nervensystem zu beeinträchtigen und ernsthafte Umwelt- und Gesundheitsprobleme zu verursachen. Das Problem wird dadurch verschärft, dass sie sich in einem wachsenden Bereich gegenseitig bedingen: PFAS werden in der Produktion von Lithium-Ionen-Batterien eingesetzt. Während Lithium das unverzichtbare Speicherelement bildet, sorgen PFAS aufgrund ihrer extremen thermischen und chemischen Stabilität für die nötige Funktionssicherheit und Leistungsfähigkeit von Batteriezellen. Die Energiewende verschärft die Herausforderung für den Umwelt- und Gesundheitsschutz.

2025 wurden 52.080 Daten an den sechs RIWA-Messstellen erhoben. 86 gemessene Parameter haben mindestens einmal die 2025 grundlegend überarbeiteten Zielwerte des European River Memorandums (ERM) überschritten. Das betraf vor allem Lithium, PFAS, das Diabetes-Medikament Metformin, das Nierenmittel Oxipurol, Röntgenkontrastmittel und andere Rückstände von Industriechemikalien, Arzneimitteln, Fungiziden, Pestiziden, Herbiziden und Süßstoffen. 

Das ERM beschreibt Ausgangspunkte für einen nachhaltigen Schutz der Wasserqualität und konkrete Zielwerte für Stoffgruppen. Es hilft dabei vorausschauend zu handeln, auch bei Stoffen, für die es noch keine gesetzlichen Normen gibt. Es ist rechtlich (noch) nicht verbindlich und wurde im Sinne des Vorsorgeprinzips von internationalen Arbeitsgemeinschaften der Wasserversorgungsunternehmen erarbeitet. Sie vertreten 170 Wasserwerke in 18 Ländern und 188 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher. (2) Der RIWA-Jahresbericht 2025 beschreibt Entwicklung des erforderlichen Aufbereitungsaufwands für Trinkwasser, setzt ein Reduktionsziel von 30 % für Mikroverunreinigungen und schildert die  Bedeutung guter und rechtzeitig verfügbarer Daten zur Wasserqualität.

Die Qualität des Rheinwassers hängt in hohem Maße von einer angemessenen Genehmigungspraxis für industrielle Einleitungen ab. Sie seien „das schwache Glied in der Kette des Quellenschutzes“. (1 S. 44) RIWA-Rijn hat in jüngster Vergangenheit versucht, die Genehmigungsverfahren im deutschen Teil des Rheineinzugsgebiets zu verfolgen und schildert im Jahresbericht ausführlich, wie erschwerend, unzulänglich und intransparent sie sind. Nach Auffassung von RIWA-Rijn entsteht dadurch eine ungleiche Ausgangslage: Die Folgen für die niederländische Trinkwasserquelle müssen zwar beurteilt werden, doch die dafür erforderlichen Informationen seien nicht immer einfach oder vollständig zugänglich. „Um es mit einem Fußballvergleich zu sagen: Ein sauberer Rhein liegt bereits mit 0:3 zurück, bevor das Spiel überhaupt richtig begonnen hat.“ (3) 

RIWA-Rijn hatte bereits am 15. April 2026 die Bezirksregierung Köln aufgefordert, zusätzliche Maßnahmen gegen die PFAS-Einleitungen aus der Kläranlage Leverkusen-Bürrig zu ergreifen. (4)

Für besonders bedenklich hält es RIWA-Rijn, dass in Deutschland Anlagen mit einem allgemeinen Verweis auf die zentrale Abwasserreinigungsanlage genehmigt werden, ohne die Auswirkungen auf den gesamten Fluss zu betrachten. So werde beispielsweise die Einleitung von PFAS oder Lithium genehmigt, obwohl Kläranlagenbetreiber keine Möglichkeit hätten, diese Stoffe zu verringern oder sie ganz zu vermeiden:. „In den Unterlagen findet man daher auch kaum Angaben zu den potenziellen Umweltauswirkungen, da diese Informationen in die Zuständigkeit des Betreibers der Kläranlage fallen. Wir halten es für bedenklich, dass die Einleitungsgenehmigung auf diese Weise von der Genehmigung der Aktivität getrennt wird.“ (1 S. 45)  RIWA Rijn fordert, dass die Genehmigungserteiler bei der Festlegung von Auflagen für (industrielle) Einleitungen von lithiumhaltigen Abwässern die Trinkwasserfunktion des Rheins zu berücksichtigen haben. (1 S. 77)

Offenbar ist es sinnvoll, zukünftig den Blick nicht nur auf die Daten der Schadstoffbelastung des Rheins zu richten, sondern auch danach zu fragen, wo, von wem und warum die Belastungen überhaupt genehmigt wurden. Gerade in Deutschland sollten sich die Genehmigungsverfahren nicht nur nach dem einschlägigen Fachrecht richten, sondern auch im Rahmen einer integrierten Industrie-, Klima- und Wasserpolitik die Frage nach den Belastungen für die gesamten Flüsse und ihren Funktionen behandeln. Denn es geht um die Funktion des Gewässers und um Grenzwerte. 

Der RIWA-Bericht zeigt zudem, wie das klassische Genehmigungsrecht an seine Grenzen kommt, wenn Schadstoffe wie PFAS oder Lithium Richtwerte überschreiten, aber dennoch genehmigungsfähig sind, weil keine ausreichenden Grenzwerte existieren.

„Ein Genehmigungsantrag ist der entscheidende Zeitpunkt, um neue Verunreinigungen zu verhindern“, sagt Gerard Stroomberg, Direktor von RIWA-Rijn. „Ist eine Tätigkeit erst einmal genehmigt, wird es wesentlich schwieriger, die Folgen für den Rhein nachträglich noch zu begrenzen.“ (3)

Verweise

1. RIWA-Rijn. Jahresbericht 2025 - Der Rhein. [Online] 1. September 2026. https://riwa-rijn-publicaties.nl/DU/Jahresberichte/RIWA-2026-DU-Jahresbericht-2025-Der-Rhein.pdf

2. European River Memorandum for Quality Assurance of Drinking Water Production. [Online] Februar 2020. https://www.riwa-rijn-publicaties.nl/NL/overige/European-River-Memorandum-2020-English.pdf

3. RIWA-Rijn. Pressemitteilung: Genehmigungsverfahren müssen den Rhein als Trinkwasserquelle besser schützen. [Online] 1. September 2026. https://www.riwa-rijn.org/nieuws-de/jahresbericht-2025

4. Grenzlandgrün. Unbekannte Schadstoffe im Wasser – ein Systemerfolg? [Online] 5. Juni 2026. https://www.grenzlandgruen.de/Blog;focus=TKOMSI_com_cm4all_wdn_Flatpress_22892279&path=?x=entry:entry260605-193800#C_TKOMSI_com_cm4all_wdn_Flatpress_22892279__-anchor

Grenzlandgruen - 15:50 @ Wirtschaft, Umwelt | Kommentar hinzufügen



 

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