niederrheinisch - nachhaltig 


Donnerstag, 19. November 2020

Waldnieler Blutbuche: Denkmalstod am Buß- und Bettag

Das Blutbuchenpaar am Evangelischen Friedhof am Häsenberg in Schwalmtal-Waldniel war älter als alle Bürger*innen der Gemeinde. Es hat Kriege, Unwetter und etliche Kommunalreformen überlebt. Es stand als Naturdenkmal unter dem besonderen Schutz des Kreises Viersen. Doch der Schutzpatron hatte eine der beiden Buchen bereits im Sommer 2020 für sterbenskrank erklärt. Die andere gilt auch nicht mehr gesund. Am 18. November 2020 wurde die erste Buche abgesägt. Zwei Arbeiter der Brüggener „Behnke - Baumpflege GmbH“ trennten vom Hubsteiger aus Aststück für Aststück mit der Motorsäge. Ein Teil des Stamms steht noch. Der 18. November 2020 war Buß- und Bettag – ein evangelischer Feiertag. Dessen Ursprung passt zum „Tod des Naturdenkmals“.  Lesen Sie mehr

Montag, 14. September 2020
Kommunalwahl 2020: Was wird aus der #Amernliebe?

Sie war kurz und heftig und endete vorerst am 13. September 2020. Sie erinnert in ihren Widersprüchen zwischen Fühlen, Reden und Denken an Margot, Léna und Gaspard in Eric Rohmers wunderbarem Film „Sommer“. Der Film erschien zwei Jahre vor der Geburt ihres Erfinders. Der wiederum ist der politische Enkel eines Mannes, der ein Jahr nach ihrem eigentlichen Ursprung geboren wurde. Die Rede ist von der „#Amernliebe“.  Philipp Lourenço hat den Hashtag erfunden. Der umtriebige 21-jährige gehört zum Schwalmtaler SPD-Vorstand und trat bei der Kommunalwahl als Ratskandidat im Wahlbezirk Amern-St.Georg an und auf Platz 7 der SPD-Liste an. Lesen Sie mehr


Montag, 2. September 2019

Und ACTION“ – Über die Raum- und Wirtschaftsplanung in Amern

Seit über 40 Jahren ist es ein Thema unter Verwaltungsrechtlern. Seit rund 30 Jahren beschäftigen sich Ökonomen mit ihm. Vor 15 Jahren wurde es Streitthema der Schwalmtaler Politik. Und seit mittlerweile vier Jahren sorgt es für rechtliche Eiertänze in Amern. Es geht um das Verhältnis von Bauleitplanung und Einzelhandel. Seit 2010 werfen die Schwalmtaler Politiker*innen nach und nach ihre eigenen - im Flächennutzungsplan von 2006 festgesetzten - Regeln über den Haufen. Dient es dem Gemeinwohl, wenn mitten in einem europäisch wertvollen Feuchtgebiet eine Einzelhandelsagglomeration entsteht? Ist es Aufgabe der Politik, dem HIT-Markt an der Siemensstraße die Kundschaft wegzulocken? Steuert der Handel die politische Planung oder die politische Planung den Handel? Passen EU-Recht und kommunale Selbstverpflichtungen noch zusammen? Der bis einschließlich 19. September 2019 im Zimmer 209 des Schwalmtaler Rathauses, Markt 20 zur Stellungnahme ausliegende Bebauungsplan Am/36 (Kranenbachcenter) wirft grundsätzliche Fragen zur Schwalmtaler Raumplanung auf.  Lesen Sie mehr

Donnerstag, 8. Februar 2018

Kranenbachcenter in Amern: Investoren- statt Gewässerschutz?

2011 korrigierte der Schwalmtaler Gemeinderat den Flächennutzungsplan am Amerner Kranenbach und stellte den Bebauungsplan Am/33 auf. In einem „Sondergebiet für Nahversorgung“ ermöglichte er neben den seinerzeit zulässigen 1000 m² Verkaufsfläche weitere 1500 m² zur Errichtung des REWE-Markts. Sieben Jahre später soll der Gemeinderat  diese vorhabenbezogene Verkaufsflächenkontingentierung  zu einer baugebietsbezogenen erklären und einen neuen Plan Am/36 aufstellen. Was nach Formalkram und Erbsenzählerei klingt, ist teuer, hat einen handfesten  Grund.  Lesen Sie mehr

 

Samstag, 7. Februar 2015

Postdemokratie auch in Schwalmtal

Wer die Rheinische Post von gestern liest, hat den Eindruck, dass Colin Crouchs “Postdemokratie” auch in Schwalmtal angekommen ist. Schon seit Jahren halten viele Menschen die teure Infrastruktur der kleinen Gemeinde für nicht mehr enkelfest. Die Versuche, den Gemeindehaushalt mit Neubaugebieten oder Konsolidierungskommissionen zu sanieren, waren bisher nicht besonders überzeugend. Die schwarzgrüngelbrote “Ratsfamilie” mit dem jeweiligen CDU-Fraktionsvorsitzenden als “Boss der Bosse” verweigert schon lange eine grundlegende politische Debatte.  Wenn jedoch ein skeptischer Hans-Dieter Heinrichs in der Schwalmtaler Haushaltssicherungsvermeidungsdebatte mal ein abweichendes Argument vorträgt, riskiert er offenbar gleich den Ausschluss aus der “politischen Familie”. Ohne klare demokratische Alternativpositionen im Gemeinderat schrumpft die Bürgerbeteiligung und wächst die Politikverdrossenheit…

  

Montag, 15. September 2014

Schwalmtal und die Bürgerbeteiligung

Bürgerbeteiligung ist was für gut ausgebildete Mittelschichtsangehörige mit Zeit, Sachkenntnis, Selbstbewusstsein und rhetorischen Fähigkeiten – so lautet ein nicht ganz unberechtigtes Vorurteil. Aber warum nur drei Schwalmtaler Menschen dieser Kate-gorie den Weg zur Informations- und Auftaktveranstaltung “Bürgerhaushalt 2015” gefunden haben, darüber haben sich die Journalistin Heike Ahlen (Grenzland-Nachrichten) und der grüne Kommunalpolitiker Norbert Wolsing ihre Gedanken gemacht.

Während er am 10. September in einem Leserbrief an die Rheinische Post nüchtern feststellt, dass die Verantwortlichen jetzt machen können, was sie wollen, wettert  sie zwei Tage später im Leitartikel der “Grenzland-Nachrichten” über Motzer und Mäkler an den Stammtischen und in den sozialen Netzwerken und fragt provozierend “Seid Ihr zu satt?”

Die Frage richtete sich allerdings weniger an selbstverliebte Repräsentanten der Kommunalpolitik oder an recherchearme Journalisten, die die politische Kommunikation in Schwalmtal  so austrocknen und einschläfern, dass der interessierte Bürger keine Veranlassung zu irgendeiner Beteiligung mehr sieht.

Seit Jahren hat keine Schwalmtaler Fraktion einen haushaltsrelevanten Vorschlag öffentlich zur Diskussion gestellt. Die Fraktionsvorsitzenden halten schon lange keine Haushalts- und Grundsatzreden mehr.  Stattdessen gründen sie gemeinsame Zukunfts-, Konsolidierungs- und Strategiekommissionen, deren Resultate geheim bleiben. 

Der Aufruf aller Fraktionsvorsitzenden von 2012 und die Schwalmtaler Zukunftsgespräche von 2013 sind bis heute folgenlos geblieben. Eine dringend notwendige Breitbandstrategie für Schwalmtal ersetzten führende Schwalmtaler Politiker im vergangenen Jahr durch eine zweifelhafte Werbekampagne für die Deutsche Glasfaser. 

Einen Kommunalwahlkampf 2014 - 2020 gab es nicht. Alle waren sich einig. Die Partei, die seit Jahren, die absolute Mehrheit innehat, behauptete rotzfrech “Schwalmtal ist bei der CDU in guten Händen”. Die anderen Parteien widersprachen nicht.  Die Schwalmtaler Grünen waren voll des Lobes für die CDU-Familien- und Schulpolitik, die Baulandpreise oder die angeblich passenden Angebote für alte Menschen.  Für die SPD zählte das Miteinander, und die FDP verabschiedete ihre programmatische Aussagen erst nach der Wahl.

Derweil steigen die Schwalmtaler Infrastrukturkosten, weil die Einwohnerzahlen sinken - trotz der neuen Baugebiete.  Die Gemeinde hält ein kostenträchtiges dreigliedriges Schulsystem aufrecht, obwohl die Anmeldezahlen zurück gehen. Und die nächste Generation erbt die heutigen Haushaltsrisiken, die aus Pensionsansprüchen und Sanierungsstaus entstehen…

Auch für Schwalmtals Haushalt gibt es nicht den einheitlichen Bürgerwillen oder die eine richtige Lösung, die gut für alle ist. 

Politik ist Konflikt und Schwalmtal darf nicht nur in den Händen der CDU bleiben. Die anderen Parteien sollten endlich die Harmoniekruste durchbrechen und sich mit zukunftsorientierten Diskussionsvorschlägen an der politischen Willensbildung beteiligen. Dann könnte auch  die Lokalpresse Kontroversen analysieren und ihre Blaulicht- und Personenartikel reduzieren.

Bevor aber die drei aufrechten Schwalmtaler Bürger an den Stammtisch oder ins Internet wechseln, könnten sie Heike Ahlens Rat folgen und mit dazu beitragen, dass die LEADER-Bewerbung in diesem Jahr nicht so endet wie die Glasfaser-Aktion im letzten Jahr.  

Presserklärung der Schwalmtaler Fraktionen vom 11.12.2012
Gemeinsame Presseerklärung der Fraktionen im Rat der Gemeinde Schwalmtal.pdf (299.32KB)
Presserklärung der Schwalmtaler Fraktionen vom 11.12.2012
Gemeinsame Presseerklärung der Fraktionen im Rat der Gemeinde Schwalmtal.pdf (299.32KB)