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27. November 2021


Neueste 5 Einträge

  • Transformationsindustrie
    „Falls Ihnen das noch keiner gesagt haben sollte: SARS-COV-2 is here to stay. Das Virus mutiert ständig ...
  • Nach dem „Offenbarungseid“: Politische Auswege aus der Biodiversitätskrise gesucht
    Der Erhalt der Artenvielfalt sei eine „Menschheitsaufgabe und eine ethische Verpflichtung“ deklariert ...
  • Overshoot: "Wirtschaftssysteme umdenken"
    Die Menschheit verbraucht konstant mehr Ressourcen, als die Erde und ihre natürlichen Systeme in der ...
  • Koalitionsvertrag: „Über Lützerath werden die Gerichte entscheiden.“
    “ Das verspricht das neue Ampelbündnis für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit in seinem heute ...
  • Glasgow - ein Wendepunkt wohin?
    Vom 31. Oktober bis 13. November 2021 fand die UN-Klimakonferenz in Glasgow (COP 26) statt. Die hohen ...



Donnerstag, 25. November 2021

Ökosoziale Herausforderungen und politische Überforderungen

Der bevorstehende Umbruch in der Klimapolitik greift in fast alle Politikbereiche ein. Er wird Kommunal- und Regionalpolitik heraus- und womöglich auch überfordern, denn es geht um viel mehr als den Ausbau von Windkraft und Solarenergie. Die durch Vollzugsdefizite gekennzeichnete Nachhaltigkeitspolitik der letzten Jahrzehnte hat die demokratische Ressource Zeit verschwendet. Gefragt sind jetzt zügige und handlungsorientierte Antworten auf die Überschreitungen der planetaren Grenzen und die damit verbundene globale Ungerechtigkeit. 

Die Journalistin Ulrike Fokken bezeichnet eine Klimapolitik, die sich nicht mit der Biodiversitätskrise beschäftigt, als „unfassbare Realitätsverleugnung“. Der Landtag in NRW lehnt derweil die Volksinitiative Artenvielfalt ab und setzt auf ein „Weiter so“ mit freiwilligen Maßnahmen. Lesen Sie dazu mehr im Grenzlandgrün-Blog.

Dass „die Menschheit“ nicht nachhaltig lebt, gilt als bekannte Tatsache. Sie verbraucht mehr Ressourcen als die Erde mit ihren natürlichen Systemen in der gleichen Zeit nachproduzieren kann. Jüngst veröffentlichte die Universität Leeds eine Studie, mit der nachgewiesen wurde,  dass es in den letzten 30 Jahren keinem Land gelungen ist, soziale Mindestanforderungen zu erfüllen, ohne dabei die ökologischen Grenzen zu überschreiten... Auch dazu mehr im Grenzlandgrün-Blog


Mittwoch, 24. November 2021

Koalitionsvertrag: "Über Lützerath werden die Gerichte entscheiden" 

Das Ampelbündnis für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit verspricht in seinem am 24. November 2021 unter der Überschrift „Mehr Fortschritt wagen“ veröffentlichten Koalitionsvertrag, dass es  Keyenberg, Kuckum, Unterwestrich, Oberwestrich und Berverath erhalten wolle. Zum bekannten 1,5 Grad-Dorf heißt es lapidar: "Über Lützerath werden die Gerichte entscheiden." Das sei feige, meint der nordrhein-westfälische BUND-Geschäftsstellenleiter Dirk Jansen. Die Initiative "Alle Dörfer bleiben" sieht einen Zusammenhang mit RWE-Interessen und dem nordrhein-westfälischen Wahlkampf. Mehr dazu im Grenzlandgrün-Blog


Samstag, 20. November 2021

Glasgow - ein Wendepunkt wohin? 

© Jeyaratnam Caniceus - pixabay

Die Konferenz in Glasgow markierte eine symbolische Halbzeit. Sie lag genau zwischen der Verabschiedung der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen im Jahr 1992 und dem Jahr 2050. Bis dahin müssen nach Angaben des Weltklimarates weltweit Netto-Null-CO2-Emissionen erreicht werden. Nachdem „die Welt“ 1992 beschlossen hatte, den Klimawandel zu bekämpfen, sind die globalen Treibhausgasemissionen immer weiter gestiegen. Die Klimakonferenz sollte einen Wendepunkt markieren. Mehr dazu im Grenzlandgrün-Blog.


Mittwoch, 13. Oktober 2021

Abrissmoratorium für Lützerath? 

Am 31. Oktober beginnt in Glasgow die 26. UN-Klimakonferenz. Derzeit läuft die UN-Konferenz zum Artenschutz, und in Berlin wird zwischen SPD, Grünen und FDP sondiert, mit welchen Maßnahmen eine neue Bundesregierung das Klimaschutzgesetz umsetzen könnte. Begleitet wurden die Gespräche mit Studien und Appellen. Auf mehr als 1000 Seiten erklingt der Ruf nach marktorientierten Förderprogrammen. Es geht um Planungssicherheit und politische Absicherung von Investitionen im Rahmen des Projekts „Klimaneutralität bis 2045“. Am 12. Oktober 2021 hat Greenpeace den kürzesten und naheliegendsten Eilappell auf den Weg gebracht. Lesen Sie mehr


Freitag, 8. Oktober 2021

Über die Lützerath-Urteile des Verwaltungsgerichts Aachen 

Am 7. Oktober 2021 lehnte das Verwaltungsgericht Aachen des von Eckhardt Heukamp, dem Eigentümer des Lützenrather Mönchhofs und zweier Mieter ab. Die Eilanträge richteten sich gegen die Beschlüsse der Bezirksregierung Arnsberg, mit denen die RWE Power AG als Betreiberin des Tagebaus Garzweiler II zum 1. November 2021 vorzeitig in den Besitz dieser Grundstücke eingewiesen worden ist. Begründet werden die Urteile mit veralteten Gutachten und politischen Bewertungen. Die NRW-Leitentscheidung zur Braunkohle ist ebenso „aus der Zeit gerutscht“ wie das Bundesbergbaugesetz oder eine Eigentumsordnung, deren Implikationen jetzt in einem neuen Sonderforschungsbereich untersucht werden. Lesen Sie mehr in der überarbeiteten Version des Lützerath-Textes.

Mittwoch, 6. Oktober 2021
Rheinisches Revier: Über die Förderung von Industriesymbiosen 

© Marius Beckamp (Braczko - Foto)

Das Konzept der Industriesymbiose könne die Debatte um Strukturwandel und Kreislaufwirtschaft bereichern und die regionale Strukturpolitik im Rheinischen Revier vorantreiben, schreibt Marius Beckamp (Foto) in seinem Zwischenbericht zum Projekt SYMBIOTIQ. Beckamp ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsschwerpunkt Raumkapital am Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen (IAT).Was es steckt hinter dem Konzept? Was könnte die Region aus dem dänischen Modellprojekt „Industriepark Kalundborg“ lernen? Was will die Europäische Kommission? Von der braunkohlengeprägten Wirtschaft zur postfossilen Gesellschaft: Was bedeutet die Transformation für die Regionalplanung? Lesen Sie mehr


Samstag, 2. Oktober 2021

Lützerath: Über das Ende des Lützens und die ZAD Rheinland

Lützen ist ein fast vergessenes Verb. Es beschreibt das, was im Klima- und Umweltschutz jahrzehntelang eine Rolle gespielt hat. Die Folge des Lützens sind eher unangenehme Dialoge zwischen "Babyboomern" und Menschen aus der Generation Z. Gespräche,  die an die 1960er und 1970er Jahre erinnern. Ein weiteres Ergebnis des Lützens: Lützerath, das katholisch geprägte Dorf, das einst als grüne Insel inmitten weiter Ackerflächen galt, ist heute eine zu verteidigende Zone für klimagerechte Utopien geworden... Lesen Sie mehr

Freitag, 17. September 2021
Was muss wachsen? Was kann schrumpfen?  Über ein Göttinger Impulspapier zu „Klimaschutz und Daseinsvorsorge“ 

Grafik aus dem GenDis-Impulspapier

Der Markt kann nicht alles regeln, und nicht alle Teile des Wirtschaftslebens haben die gleiche gesellschaftliche Relevanz. Manches muss wachsen, manches kann schrumpfen und einiges ist überflüssig… Seit November 2019 beschäftigt sich das Forschungsprojekt „GenDis“ mit Berufen, Beschäftigten und Arbeitsbedingungen im Bereich der öffentlichen Güter, der fundamentalökonomischen Systemrelevanz, der kritischen Infrastrukturen oder wie auch immer wir die Güter und Dienstleistungen bezeichnen, die für Menschlichkeit und gedeihliches Zusammenleben unentbehrlich sind. Wie sie mit Klimaschutz und dem ökologischen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft verknüpft werden können, erläutert das jüngst veröffentlichte Impulspapier „Arbeit für Daseinsvorsorge und Klimaschutz. Ringen um Ressourcen oder Segen sozialökologischer Synergien?“ Lesen Sie mehr...


Dienstag, 14. September 2021

No future?

© Engin Akyurt - pixabay.de

Heute berichtet die BBC über eine weltweite Studie zu den Zukunftsängsten junger Menschen. Das weckt Erinnerungen an die Rio-Konferenz 1992 und die Rede der damals 12-jährigen Severn Cullis-Suzuki. Die Frage bleibt offen, ob die Entfessler*innen, Exportvorreiter*innen Standortwettbewerber*innen noch in der Lage sind, ihr Denken und Handeln auch mit langfristigen Zielen, den Naturgesetzen und den Lebensqualitätsansprüchen aller Menschen zu verknüpfen... Lesen Sie mehr


Samstag, 11. September 2021

11. September: Über Taten und Ankündigungen 

© Myriams Fotos auf Pixabay

Heute jährt sich „9/11“ zum 20. Mal. Bereits am Nachmittag des 11. September 2001 wurde allenthalben angekündigt, dass dieser Tag die Welt verändern werde. Heute spüren wir die angekündigten Veränderungen … Heute vor 25 Jahren debattierte der Deutsche Bundestag in Bonn zu den Zukunftschancen Deutschlands als Wirtschaftsstandort. Auch an diesem 11. September wurde viel angekündigt. Die Folgen dieses 25. Jahrestags sind andere….Am heutigen 11. September 2021 äußert sich Henkel-Chef Carsten Knobel zur Frage, was nach der Bundestagswahl am 26. September 2021 passieren muss...Lesen Sie mehr


Freitag, 10. September 2021

"Garzweiler-Paragraf ist verfassungswidrig"

Der sog. Garzweiler-Paragraf im Kohleverstromungsbeendigungsgesetz sei verfassungswidrig, sagt der Lüneburger Rechtsprofessor Dr. Thomas Schomerus. Er hat dazu im Auftrag der Klima-Allianz Deutschland ein Rechtsgutachten erstellt.  Der Gesetzgeber habe den ihm zustehenden Spielraum überdehnt. Mittlerweile hat das Deutsche Institut für Wirtschaft errechnet, dass von Januar 2021 an nur noch noch maximal 200 Millionen Tonnen Braunkohle  aus den Tagebauen Hambach und Garzweiler gefördert werden dürfen. Ansonsten werden die Pariser Klimaziele verletzt. Der vorhandene Vorrat reiche dafür aus. Damit könnten die Garzweiler-Dörfer  einschließlich Lützerath erhalten bleiben. Lesen Sie mehr

Dienstag, 6. Juli 2021
Zukunft wachküssen?

© StockSnap auf pixabay

Zum Tag des Kusses am 6. Juli erinnert „Mopper-Manfred“ an ein Heft der Zeitschrift „Politische Ökologie“. Es erschien 2005 zu Beginn der in diesen Wochen endenden Merkel-Ära und enthielt Leitlinien für ein nachhaltiges Regierungsprogramm. Titel des Heftes „Zukunft wachküssen“. Das Heft berief sich auf das Grimm'sche Märchen vom Froschkönig. Doch in diesem Märchen entsteht Zukunft nicht durch Wachküssen, sondern durch Tötungsversuch. Was das mit Nachhaltigkeit zu tun hat und welchen Sinn es machen könnte, nicht der Königstochter sondern dem treuen Heinrich oder dem armen Jungen zu folgen und Teile des Programms „Nordrhein-Westfalen 1975“ neu zu bearbeiten, können Sie hier nachlesen.


Freitag, 11. Juni 2021

SVEN als ÖPNV-Brücke und Stromspeicher?

© clker-free-vector-images - pixabay.com

2021 werde das „Shared Vehicle Electric Native“ (SVEN) durch das niederrheinische Grenzland fahren. Das hatte Tafil Pufja auf einer VHS-Grenzlandgrün-Veranstaltung am 11. Oktober 2018 versprochen. SVEN böte die Möglichkeit, individuell zugeschnittene Mobilitätsangebote für den Einzelnen zu entwickeln und diese effizient mit dem Öffentlichen Personennahverkehr zu verzahnen. Das könne helfen, Individualverkehr und damit einhergehende Emissionen zu reduzieren, so der damalige Geschäftsführer der NEW-Re GmbH. 

Wenige Wochen zuvor, am 29. September 2018 hatte Pufja in Düren auf dem grünen Kongress zur Frage „Was kommt, wenn die Kohle geht?“ SVEN als ein Element für die zukunftsfähige Mobilität im Rheinischen Revier angepriesen. SVEN wurde im März 2019 auf dem Genfer Autosalon präsentiert. Im selben Jahr fand auf dem Heavy-Metal-Festival in Wacken eine Premiere statt. Eins der Camps wurde mit grünem Strom aus einer Fotovoltaik-Anlage versorgt. Als Stromspeicher diente ein Nissan-Elektroauto. Lesen Sie mehr


Freitag, 28. Mai 2021

Klimaurteile aus Den Haag und Karlsruhe: Wendemarken für den niederrheinischen Umweltschutz?

Seit dem Urgenda-Urteil vom Dezember 2019 wird die niederländische Gerichtsbarkeit als Vorbild einer globalen Bewegung bejubelt, die die Justiz unter dem Schlagwort „Klimagerechtigkeit“ für eine entschiedenere Klimaschutzpolitik aktivieren will. Die „Klimaatzaak Urgenda“ hat einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Unter gleichen Vorzeichen stehen das am 29. April 2021 veröffentlichte Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts oder das Shell-Urteil des niederländischen Bezirksgerichts vom 26. Mai 2021. Jetzt ist juristisch zu prüfen, was die Richtersprüche zum Klimaschutz für den Bundesverkehrswegeplan, für Natur- und Artenschutz, für die Nachhaltigkeitsstrategien, für den Umgang mit Wasser und Boden, für den Kohleausstieg, die kommunale Rechnungsprüfung oder für Landesentwicklungs- und Regionalpläne bedeuten. Die Folgen für den niederrheinischen Umweltschutz könnten weitreichend sein…. Lesen Sie mehr


Samstag, 8. Mai 2021

"Wer seine Heimat liebt, versiegelt sie"

Dem grünen Bundestagsabgeordneten Chris Kühn blieb am 7. Mai 2021 angesichts des großkoalitionären Trauerspiels rund um § 13 b des BauGB „die Spucke weg“. Entgegen allen Nachhaltigkeitsstrategien und Flächensparappellen animiert der Bundestag vor allem ländliche Kommunen dazu, bis Ende 2022 ihre Flächennutzungspläne zu umgehen und Bauland im Außenbereich ohne Umweltverträglichkeitsprüfung, ohne Bürgerbeteiligung, ohne Ausgleichsflächen auszuweisen. Die NRW-Koalition war maßgeblich an der Entstehung einer zweiten Baulandentfesselungsrunde beteiligt. Chris Kühn meint, dass für die CDU gelte: „Wer seine Heimat liebt, versiegelt sie.“  Nach einer CSU-Trickserei konterkarierte der 13b bereits 2017 - 2019 die Nachhaltigkeitssystematik des Baugesetzbuchs. Vor allem bayerische Bürgermeister nutzten den nichtnachhaltigen Baulandschnäppchenparagrafen. Im niederrheinischen war die Gemeinde Schwalmtal ein Vorreiter. Ein am 4. Mai 2021 endgültig und einstimmig beschlossener Bebauungsplan nutzt den 13 b, um auf die Schnelle kirchliches Grünland in eine Siedlungsfläche für 30 bauwillige Dilkrather*innen umzuwandeln. Während an Nachhaltigkeit orientierte Politiker*innen, Kommunen und Bundesländer vom Gebrauch des 13b abraten, setzt Schwalmtal auf Kompensation durch Ökopunkte. Lesen Sie mehr

Mittwoch, 31. März 2021

"Aus der Zeit gefallen" – Baulandschnäppchen mit § 13b

Boden steht unter Konkurrenzdruck. Flächen zu versiegeln ist klimaschädlich, mindert die biologische Vielfalt und die Möglichkeiten der Landwirtschaft. Dennoch gab es bis 2019 einen Paragrafen im Baugesetzbuch, der gerade ländliche Gemeinden zur Zersiedelung und Versiegelung animierte: 13b. An dessen Entstehung war der derzeit durch eine Korruptionsaffäre bekannte gewordene Georg Nüßlein beteiligt. Nettetal und Niederkrüchten haben den Paragrafen angewandt, um alte Planungen zu forcieren. Schwalmtal plant was Neues und könnte zum Negativ-Vorbild für andere nicht-nachhaltige Gemeinden in NRW werden. Denn die nordrhein-westfälische Regierungskoalition will mit der Wiederbelebung des unökologischen Zersiedelungsparagrafen Entwicklungen entfesseln, deren Folgen in Süddeutschland erkennbar werden… Lesen Sie mehr


Freitag, 26. März 2021

Wohnen im Kreis Viersen: Masterplan vergessen – Nachhaltigkeit neu definiert? 

Seit rund 15 Jahren zählen die Statistiker*innen den Kreis Viersen zu den schrumpfenden und überalternden Regionen. Seit zwei Jahrzehnten wird der Mangel an kleinen, barrierearmen und preiswerten Wohnungen beklagt. Obwohl der Traum nach Unabhängigkeit durchs eigene Einfamilienhaus im Grünen für viele Menschen unbezahlbar bleibt, boomt seit der Finanzmarktkrise die Nachfrage nach Baugrundstücken auf der grünen Wiese. Derweil wächst der Leerstand in Ortskernen. Betongold wird wertvoller und bedarfsgerechtes Wohnen schwieriger. Der 2014 versprochene Wohnmonitor ist ebenso in Vergessenheit geraten wie der angekündigte  kreisweite Handlungsrahmen zum Baulücken- und Leerstandsmanagement mit städtebaulichen Nachverdichtungen und energetischen Quartiersanierungen. Die erste Babyboomer-Generation gerät allmählich in ihre Pflege- und Sterbephase.  Was wird eigentlich aus deren alten Einfamilienhaussiedlungen, wenn die Schrumpfprognosen eintreten? Lesen Sie mehr

Freitag, 5. März 2021
Viersener Vielfaltsgrün: Von Bakterien lernen?

Eine Partei – zwei Fraktionen. Was die Viersener Grünen planen, könnte ein Leuchtturmprojekt mit Modellcharakter oder ein Rohrkrepierer mit Folgen für die Bundestagswahl werden. Wie hängen der grüne Abschied von kollektiven Identitätszwängen mit persönlichen Gefühlen der Wertschätzung zusammen? Haben die Viersener Grünen von den Bakterien gelernt und ein neues politisches Geschäftsmodell erfunden?  Könnte das zum Vorbild für vielfältige Ratsarbeit werden? Was werden die Jurist*innen und die anderen Ratsmitglieder dazu sagen? Werden sie ihre Geschäftsordnung ändern? Was haben Wolfgang Thierse, das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit, der Wahlkreis Minden-Lübbecke oder das grüne Vielfaltsstatut mit der Viersener Spaltung zu tun? Welche Rolle spielen Cancel Culture, Machtfragen oder die „Gesichter von gestern“?   Lesen Sie mehr  


Dienstag, 2. März 2021

Wa/70 - Zurück auf "Start"?

Die Chronologie der Ereignisse rund um MLP und das Rösler-Gelände macht nachdenklich. Manche Dinge sind nur schwer nachvollziehbar. Wieso haben Schwalmtals Politiker*innen über ein Jahr geglaubt, ein 12 ha-Logistikzentrum neben einem Schulzentrum befürworten zu müssen? Wieso haben sie frühzeitige Bedenken nicht ernst genommen? Wie gehen sie mit Grundwassergefährdungen um? Unter welchem Druck stehen die derzeitigen Eigentümer? Wie wirken sich die Schwalmtaler Vorgänge auf den Logistikstandort Niederrhein aus, der mit der Entwicklung des ehemaligen Elmpter RAF-Geländes noch ein Großprojekt vor sich hat? Lesen Sie mehr


Dienstag, 23. Februar 2021

MLP und das Waldnieler Rösler-Gelände: Deckel drauf – Problem gelöst? 

Die Gemeinde Schwalmtal möchte einen MLP-24/7Logistikpark auf dem 12 Hektar umfassenden Gelände der ehemaligen Rösler-Drahtfabrik entwickeln: abseits der Autobahn, aber in der Nähe zum Schulzentrum. Im benachbarten Niederkrüchten wird auch ein 24/7-Logistikpark geplant, 10-Mal so groß und direkt an der Autobahn.  Kein Wunder, dass sich in Waldniel Widerstand regt. Was die einen als aktive Wirtschaftsförderung loben, halten die anderen für eine Mensch und Umwelt belastende Fehlplanung. Die Bürgerinitiative „Nein zum Logistikpark Rösler Draht“ sammelt Unterschriften. Der Gemeinderat soll am 2. März 2021 entscheiden. Die Zeit drängt, denn vom Rösler-Gelände gehen Gefahren für das Waldnieler Grundwasser aus. Anstatt den aufwändigen Wasserschutz auf MLP zu schieben, könnte die Gemeinde Schwalmtal die Verantwortung für ihr Wasser übernehmen, dabei die Fördermöglichkeiten des Landes nutzen und den bezahlbaren Wohnraum auf einer Brachfläche im Innenbereich schaffen, der in Schwalmtal seit Jahren fehlt. Lesen Sie mehr


Mittwoch, 20. Januar 2021

IAWR-Appell: Wasser schützen - GAP umsteuern

„Wasser ist unersetzbar und sauberes Trinkwasser für alle unverzichtbar“. Deshalb führe an einer beherzten, zukunftsfähigen Transformation der Agrarwirtschaft kein Weg vorbei. So argumentieren führende Wasserwirtschaftsverbände in einem groß angelegten Aufruf zur Wertschätzung und Reinhaltung unseres Wassers. Die bisherigen ministeriellen und parlamentarischen Beschlüsse zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) seien unzureichend. Deren Änderung sei alternativlos. Die Kommission habe mit dem European Green Deal einen Plan auf den Weg gebracht, der zum Erhalt unserer Trinkwasserqualität dringend erforderlich sei. Lesen Sie mehr


Montag, 18. Januar 2021

Motor für Markterfolg? - Das neue NRW-Klimaschutzgesetz

Das nordrhein-westfälische Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie hat den Landtagsabgeordneten am 21. Dezember 2020 den vom Landeskabinett verabschiedeten Entwurf für ein neues Klimaschutzgesetz vorgelegt. Minister Andreas Pinkwart spricht von einer neuen Dimension. Klimaschutz sei ein Gewinnerthema, ein Motor für Innovation und Markterfolg. Deshalb stelle die Landesregierung mit dem Gesetz „wichtige Weichen, um das Tempo beim Klimaschutz zu beschleunigen“. Die Regierung möchte mit dem Klimaschutzgesetz  Nordrhein-Westfalen zum modernsten und klimafreundlichsten Industriestandort Europas weiterentwickeln und damit ihren Teil zur Erreichung der Pariser Klimaziele beitragen. Lesen Sie mehr 

Samstag, 19. Dezember 2020

Ist Trinkwasserschutz "eine große Frage unserer Zeit"?

Im Juni 2017 wollten CDU und FDP die nordrhein-westfälische Wirtschaft mit einem Koalitionsvertrag für Braunkohle, Kies und Flächenversiegelung als Nr.1 im europäischen Standortwettbewerb platzieren. Seitdem gab es drei Dürren, eine Kohlekommission, das Konzept eines europäischen green deal, Fridays for Future und eine Pandemie. Unter der Überschrift „Verheizte Heimat“ berichtet die TAZ heute von einem internen Memo des Bundeskanzleramts. Darin werde vermerkt, dass die Absicherung von Garzweiler II ein zentrales Anliegen von RWE/NRW gewesen sei. Im November wiesen „Grenzlandgrün“ und die Initiative „Finger weg von unserem Trinkwasser“ darauf hin, dass sich das NRW-Umweltministerium die Wasserschutzgebietsverordnung von einem Fördermitglied des Vero-Baustoffverbands erarbeiten lässt. In der vergangenen Woche gruben das Europaparlament, der Düsseldorfer Regionalrat und das „Zukunftsforum öffentliche Sicherheit“ der Düsseldorfer nicht-nachhaltigen Entfesselungsideologie Wasser ab. Es geht um die neue europäische Trinkwasserrichtlinie, einen Beschluss zur Novellierung des Landeswassergesetzes und Risikoanalysen im „Grünbuch 2020“. Lesen Sie mehr  


Dienstag, 1. Dezember 2020

Über die Verletzlichkeit der nachhaltigen Entwicklung

Heute vor einem Jahr begann das erste Amtsjahr für Ursula von der Leyen als EU-Kommissionspräsidentin. Ihr „Mann auf dem Mond Projekt“: Der "European green deal". Für ihn sollte sie am kommenden Freitag in Düsseldorf gemeinsam mit Elton John, Joy Denalane, Jack Johnson und Jeremy Rifkin den Ehrenpreis der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. (DNP) entgegennehmen. Doch das wurde jetzt aufs Frühjahr 2021 verschoben. Der green deal ist noch nicht über das Ankündigungsstadium hinausgekommen. Polen, Ungarn, Tschechien und Rumänien wollen ihn ausbremsen, Vize-Kommissionspräsident Frans Timmermans setzt in der Agrarpolitik eher auf Fridays für Future als auf den  bewegungsunfähigen EU-Agrarrat. Derweil fliegt die Sonde Chang’e-5 zum All, brennen die Wälder in Australien. Gestern teilte Raumfahrtbehörde Inpe mit, dass der  Amazonas-Regenwald in Brasilien so schnell abgeholzt wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Und heute veröffentlichte die UN alarmierende Zahlen zu Hunger, Armut und Infektionsrisiken. COVID-19 macht die Verletzlichkeit der europäischen Nachhaltigkeitskonzepte sichtbar. Lesen Sie mehr


Donnerstag, 19. November 2020

Waldnieler Blutbuche: Denkmalstod am Buß- und Bettag

Das Blutbuchenpaar am Evangelischen Friedhof am Häsenberg in Schwalmtal-Waldniel war älter als alle Bürger*innen der Gemeinde. Es hat Kriege, Unwetter und etliche Kommunalreformen überlebt. Es stand als Naturdenkmal unter dem besonderen Schutz des Kreises Viersen. Doch der Schutzpatron hatte eine der beiden Buchen bereits im Sommer 2020 für sterbenskrank erklärt. Die andere gilt auch als nicht mehr gesund. Am 18. November 2020 wurde die erste Buche abgesägt. Zwei Arbeiter der Brüggener „Behnke - Baumpflege GmbH“ trennten vom Hubsteiger aus Aststück für Aststück mit der Motorsäge. Ein Teil des Stamms steht noch. Der 18. November 2020 ist Buß- und Bettag – ein evangelischer Feiertag. Dessen Ursprung passt zum „Tod des Naturdenkmals“.  Lesen Sie mehr


Samstag, 14. November 2020

„Land gewinnen“: Über den Rohstoffabbau in Wasserschutzzonen

"Wirtschaft entfesseln" – das war im Juni 2017 ein Leitgedanke des Koalitionsvertrags für Nordrhein-Westfalen 2017 – 2022. Seitdem gab es eine globale Pandemie und drei Dürresommer, kippten Flussökosysteme, sank die Grundwasserneubildung, schränkte Niedrigwasser die Rheinschifffahrt ein,  vertrockneten Wälder, trat eine neue Trinkwasserrichtlinie in Kraft, wies der Umweltrat auf massive Defizite beim Gewässerschutz hin, wurde das Wort „Wasserhierarchie“ erfunden… 

Doch die Beamten im nordrhein-westfälischen Umweltministerium müssen immer noch „Wirtschaft entfesseln“. Sie haben jetzt das Landeswassergesetz – wie von CDU/FDP gewünscht - auf „Möglichkeiten zur Deregulierung und Beschleunigung von Verfahren“ überprüft und müssen ein sinnvolles Verbot des Rohstoffabbaus in Wasserschutzgebieten kippen, obwohl Wasserwirtschaft und Kommunen dessen Erhalt fordern. Anstatt zukunftsfähige Innovationen zu entwickeln, fesseln CDU und FDP die Baustoffindustrie an überholte und ineffiziente Geschäftsmodelle. Lesen Sie mehr


Sonntag. 1. November 2020 

Wann kommt die grenzübergreifende Kieswende?

Vor über zwei Jahrzehnten machten sich die Niederlande auf den mühseligen Weg zu einer nachhaltigen Kies- und Sandgewinnung. 2009 verabschiedete der Regionalrat ein Positionspapier zum Rohstoffabbau im Raum Raum Düsseldorf.  Allmählich wächst auch im Kreis Viersen die Erkenntnis, dass das nordrhein-westfälische Kontrastprogramm eines entfesselten Kiesabbaus mit 25-jähriger Versorgungsgarantie und hohen Exportraten keine Zukunft hat. Der Kreis Viersen stellt sich mittlerweile quer und fordert das Land auf, ein generationenübergreifendes integriertes Gesamtkonzept zur nachhaltigen Rohstoffgewinnung aufzustellen. Der Kreis Wesel klagt ebenfalls und streitet sich mit dem Regionalverband Ruhr um Flächen. Ein neuer Arbeitskreis zum Schutz des NRW-Trinkwassers gegen den Kiesabbau wurde gegründet. Er will den Kiesabbau nach niederländischem Vorbild begrenzen. Lesen Sie mehr


Montag, 19. Oktober 2020 

Über das WRRL-Management im Wasserland 

"Wasserland“ - so nannte Dieter Bongartz, der aus Dülken stammende Schriftsteller und Drehbuchautor, vor 30 Jahren seinen Film über den Niederrhein. Seit 20 Jahren gibt es ein europaweites Gesamtkonzept für das Wasserland-Management: die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) In diesen Tagen wird der dritte Durchlauf eines Bewirtschaftungsprogramms für Niers, Schwalm, Nette & Co vorbereitet. Motto: „Unser Wasser muss besser und darf nicht schlechter werden.“ Das ist kein leichtes Unterfangen. Es gibt Wasserstress für Mensch und Bach. Jeder Bürger und jede Bürgerin ist ab 22.Dezember 2020 aufgerufen, am Stressabbau mitzuwirken. Lesen Sie mehr


Montag, 6. Oktober 2020 

Raumplanung für mehr Wohnbauland und Klimaschutz

"Drei Kreuze nach dem Kreuz mit den Kreuzen"…das dachten manche Menschen am vergangenen Montag. Die Stichwahlen sind entschieden. Der Wahlkampf mit seinen Parolen, Plakaten und Programmen ist nun definitiv vorbei – zumindest bis zum nächsten Jahr. Der Kampagnensturm auf den diversen Internetplattformen hat sich gelegt. „Mehr Klimaschutz“, „Mehr preiswerte Wohnungen“, „Mehr Nachhaltigkeit“. Das waren drei Forderungen, die die meisten Wahlkämpfer*innen im Grenzland teilten. Jetzt wird sich zeigen, wie daraus „vor Ort“ handfeste Kommunalpolitik entsteht. Der Handlungsspielraum für Nachhaltigkeit ist in den letzten Monaten ebenso gewachsen wie der kommunale Handlungs- und Verantwortungsdruck. Die Mehrheit der Landes- und Regionalpolitiker*innen hat in den zurückliegenden Monaten komplexe raumordnerische Nachhaltigkeitsabwägungen auf die Städte und Gemeinden verlagert. „Global denken und lokal handeln“: Im Spannungsfeld zwischen Wohnungsbau und Klimaschutz kann die Forderung nach mehr Nachhaltigkeit Chance und Bürde für die kommunale Planungshoheit werden. Lesen Sie mehr


Montag, 14. September 2020 

Nach der Kommunalwahl: Was wird aus der #Amernliebe?

Nicht nur in Schwalmtal fand der Wahlkampf in den sozialen Medien statt. Corona und den engagierten Moderatoren der Facebookgruppe „Schwalmtaler Politik“ ist es zu verdanken, dass  in diesem Jahr mehr Ideen und Debatten produziert wurden als früher an den Wahlständen. Eine Kreation war der Hashtag „Amernliebe“ von Philipp Lourenço,  eine andere die Idee eines Dorfladens für Lüttelforst. Was könnte das für den neu erfundenen Amerner Ortskern bedeuten? Ist das Kirchturmdenken zwischen Ober- und Unteramern Geschichte? Als Oberamerner Kind hat CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Paschmanns "noch eins auf die Nase bekommen", wenn er über den Kranenbach ging. Was hat sich seitdem geändert?  Lesen Sie mehr


Sonntag, 14. Juni 2020

"Da wird jetzt etwas anders..." 

Vieles gilt nicht mehr, was bis Februar 2020 für „normal“ oder „natürlich“ gehalten wurde.  Beim Medienprojekt Wuppertal produzierten junge Menschen zwischen dem 19. März und dem 13. Juni 2020 ihre Corona-Diaries. Sie dokumentierten mit Handys und Kameras Ereignisse aus ihrem Leben und reflektierten ihre Gedanken und Gefühle. „Da ist jetzt etwas anders.“ Am 20. März umschrieb der 17-jährige Realschüler Emre seine Lage.  Es sei nicht mehr alles „so natürlich wie damals“. Damit drückte er das aus, was viele fühlten. Corona könnte der Welt eine "andere Normalität" bescheren. Die neue Selbstverständlichkeit des Mundschutzes ist wohl nur ein Element. Auch "das Wohnen" ist auf dem Weg in andere Normalität, seitdem "zu Hause" als Aufenthalts-, Lern- und Arbeitsort massiv an Bedeutung gewonnen hat.  Lesen Sie mehr


Mittwoch, 12. Februar 2020

Widerstand zwecklos? - Plastik als Glaubensbekenntnis

Die Krebsraten steigen, die Plastikproduktion auch.  Weltgesundheitsorganisation  und Weltwirtschaftsforum sprechen jeweils von einer Verdoppelung bis 2040. Widerstand sei  zwecklos, denn Plastik mache zwar krank und unfruchtbar, gehöre jedoch zum Lebenszyklus – so das Fazit des 2009 erschienenen Films  „Plastic Planet“ von Werner Boote.  VHS-Grenzlandgrün stellte ihn zum Abschluss der Veranstaltungsreihe  „Nachhaltigkeit und Kapitalismus“ in der Süchtelner Königsburg  zur Diskussion. 

Stefan Vogt (Bye Bye Plastik Niederrhein) akzeptiert das Fazit nicht. Er will niederrheinische  Unternehmen, Gastronomen, Vereine, Behörden und Privatpersonen animieren, freiwillig auf Einwegplastik zu verzichten.  Entsprechende Aktionen belohnt er mit einem  selbst hergestellten  Smiley. Den erhielt gestern die Umweltgruppe der Gesamtschule Nettetal. Sie hat 200 Porzellantassen angeschafft, um die Flut der Plastikbecher einzudämmen.

Dass der „Plastic Planet“ auch mit einem Ende der Aufklärung  einhergehen könnte, macht der britische Autor und Futurist Ray Hammond in einer Schlüsselszene des Films deutlich. Im Auftrag von Plastics Europe spricht er mit Werner Boote über die Zukunft von Plastik als empfindungsfähige, intelligente, smarte Substanz, die sich selbst heilen wird.  Alle Befürchtungen zu Gesundheitsrisiken habe eine „European Food Safety Administration“  2007 völlig entkräftet. „Und wenn  die sagen, es ist Ok, dann habe ich das zu akzeptieren.“  Ob  Hammond  sich auf eine Studie der "European Food Safety Authority“ (EFSA) beruft, lässt der Film offen.  Hammond gesteht ein, dass er wie die meisten Konsumenten keine Ahnung hat,  aus welchen Stoffen die Plastikprodukte bestehen. Daher  rät er dazu,  der Plastikindustrie einfach zu vertrauen. Denn sie habe die Absicht, ihre Produkte in gesellschaftlicher Verantwortung zu entwickeln. Ob sie’s tatsächlich auch macht, wisse er aber auch nicht... Was hätten wohl Hanns-Dieter Hüsch oder Joseph Beuys  zu dieser britischen Variante niederrheinischer Nachhaltigkeit gesagt?   

Mittwoch, 5. Februar 2020

Die Zeit ist reif für ein neues Level... 

Sterbehilfe, Organspende, Verkehrs- und Bildungspolitik, Landwirtschaft, solidarisches Handeln oder das Konzept der Bürger*innenversammlung von Extinction Rebellion – das waren einige der Themen, die die U35 - Gäste dem mehrheitlich Ü55 - Publikum des VHS-Grenzlandgrün-Abends zur Diskussion stellten. Unter dem Titel  „Visionen und Vollzugsdefizite“ – Generation Y und der nachhaltige Kapitalismus“  präsentierten Lia Alponsus, Alina Martin, Nina Sternheim und Mathis Weuthen ihre Zukunftsvorstellungen. 

Bei den Wünschen nach einer solidarischen und ökologisch verträglichen Gesellschaft sind sich jung und Alt schnell einig. Bei der Frage nach der politischen Umsetzbarkeit und dem Weg der bevorstehenden großen Transformation stößt desillusionierte Skepsis auf Aufbruchwillen. Eine gesellschaftliche Klassifizierung nach Lebensalter oder eine Generationenkonfrontation mit Stereotypen a la #okboomer  werden aber eher als Irrwege angesehen. Der 16-jährige Mathis Weuthen bringt es auf den Punkt: „Dann spräche ich ja für die letzte Generation auf diesem Planeten“. Generationenstereotype erinnern eher an Horoskope und lenken von den grundsätzlichen Hauptfragen rund um soziale und ökologische Nachhaltigkeit, Demokratie und Kapitalismus ab. Um sie adäquat beantworten zu können, ist in allen Generationen, Klassen, Schichten,  Lebenswelten und Mileus noch einiges an  Ver-, Um- und Neulernen notwendig...


Mittwoch, 29. Januar 2020 

 „Marktkonforme Demokratie“ oder „demokratisch kontrollierte Wirtschaft“? 

Spätestens die  Bankenkrise vor 12 Jahren und die  daraus folgende Eurokrise hat den weit verbreiteten Glauben  an die segensreiche Macht des Marktes erschüttert.  Eine neue Debatte um den Kapitalismus ist entfacht.  Der Arzt und Psychotherapeut Herbert Hochheimer (IPPNW) fasste ihre Grundzüge gestern beim VHS-Grenzlandgrün-Abend zum Film „Der marktgerechte Mensch“  in der Süchtelner Königsburg zusammen. Noch vor 15 Jahr en wollte die Bundesregierung mit der „Agenda 2010“  Innovation und sozialen Zusammenhalt fördern. Heute machen „Fridays for future“ und die „Gig-Beschäftigten“ deutlich, dass der Politik ein Kontrollverlust droht, wenn sie nicht schnell und regulierend in den entfesselten Kapitalismus eingreift und ihm soziale und ökologische Leitplanken setzt. 

Die menschlichen Auswirkungen des Kapitalismus haben Karl Marx und Friedrich Engels vor 172 Jahren beschrieben. Als Band zwischen Mensch und Mensch bliebe das „nackte Interesse“,  die „gefühllose bare Zahlung“.  Persönliche Würde  werde in Tauschwert verwandelt und an die Stelle der "zahllosen verbrieften und wohlerworbenen Freiheiten" werde „eine gewissenlose Handelsfreiheit“ gesetzt. „Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen.“

Ob Parship, Clickworking, entwürdigte Arbeitnehmer*innen,  oder „Heirate Dich selbst“ – Ratgeber: „Der marktgerechte Mensch“ ist ein Film, der nüchtern auf die menschlichen Auswirkungen des Turbokapitalismus blickt und nach Auswegen sucht: Genossenschaften, Gemeinwohlökonomie, Mitbestimmung. Auch nach dem  gestrigen VHS-Grenzlandgrünabend blieb offen, ob der Kapitalismus reformierbar ist oder ob er in „mechanisierter Versteinerung mit einer Art von krampfhaftem Sich-wichtig-nehmen“ erst dann endet, wenn „der letzte Zentner fossilen Brennstoffs verglüht ist“, wie Max Weber bereits vor 116 Jahren befürchtete. 

Freitag, 24.Januar 2020

Whatever it takes - Klimanotstand als europäischer Wachstumsmotor?

European Green Deal.  1.000 Milliarden Euro für Innovation,  Wertschöpfung  und  neue Arbeitsplätze –  so lautet  Europas Antwort auf den Klimanotstand.  Bewusst erinnert  EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an  Mario Draghis magische drei Worte „Whatever it takes“.  Mit ihnen rettete er am 26. Juli 2012 den Euro – zumindest vorläufig. Und damit das europäische Projekt. Denn „Scheitert der Euro, scheitert Europa“. Angela Merkels Satz von 2010 ist in die Geschichtsbücher eingegangen. Im Zuge ihrer unkonventionellen Rettungsmaßnahmen  über Anleihekäufe  hat die EZB unter ihrem ehemaligen Präsidenten  zwischen 2015 und 2019  mehr als 2.600 Milliarden Euro „quasi aus dem Nichts“ in die Finanzmärkte  gepumpt.  Doch bisher h at die Politik des billigen Geldes  noch nicht den gewünschten Wachstumsschub  gebracht.  Stattdessen wird mit Finanzprodukten, Rohstoffen oder Immobilien spekuliert.  Was ist von der Klimakatastrophe als Wachstumsmotor zu halten?  Gibt es einen finanzmarktgesteuerten Klimaschutz?  Geht es bei dem europäischen „Mann auf dem Mond –Projekt“  um neues greenwashing oder eine tatsächliche Neujustierung des Kapitalismus?  Macht  Europa jetzt Politik mit der Notenpresse, wie es der amerikanische Präsidentschaftskandididat Bernie Sanders und die Vertreter der Modern Monetary Theory schon lange fordern?  Was bedeutet das alles für die niederrheinischen  Kleinanleger*innen und Klimaschützer*innen? Das waren die Fragen, die der Europaabgeordnete Dr. Stefan Berger, der ehemalige Prokurist der Westdeutschen Landesbank Bernhard Jäger und der Volkswirt und Politikwissenschaftler Dr. Tobias Kunstein am 22. Januar bei einem gut besuchten VHS-Grenzlandgrün-Abend im Rahmen der Reihe „Kapitalismus und Nachhaltigkeit“ umkreisten. Nicht alle Antworten stimmten zuversichtlich…


Montag, 20. Januar 2020

„Woher kommt’s – wohin geht’s?“: Geld und Nachhaltigkeit 

Der Kreis Viersen finanziert seine Nachhaltigkeitsprojekte über Zuschüsse,  Um- und Rücklagen. Die Europäische Investitionsbank setzt auf noch mehr Green Bonds. Die EU-Kommission will eine Billionen Euro für einen Green deal aktivieren und erklärt den Klimaschutz zum wirtschaftlichen Wachstumsmotor. Die Europäische Zentralbank (EZB) schafft im Rahmen ihrer unkonventionellen Euro-Rettungsmaßnahmen über Anleihekäufe etwa 3 Billionen Euro „aus dem Nichts“. Das Wirtschaftsforum in Davos kehrt dem Shareholder-Value den Rücken und ruft den Stakeholder-Kapitalismus aus. Blackrock-Chef Larry Fink kündigt an, seine Investitionen strikt nach grünen Kriterien auszurichten. „Plural orientierte“ Ökonomen stellen staatliches „Helikopter-Geld“ für den grünen Umbau zur Diskussion. Der US-amerikanische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders setzt auf die Modern Monetary Theory, um die Finanzierung seines Green new deal zu erklären. Entsteht gerade der von Professor Martin Wenke beim „VHS-Grenzlandgrün-Abend“ im Oktober 2018 prognostizierte ethisch orientierte Nachhaltigkeitsmarkt oder die von den Bestseller-Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik im April 2013 im Schwalmtaler Bürgerhaus prognostizierte Weltfinanzkrise?  Lesen Sie mehr


Mittwoch, 15. Januar 2020 

Nachhaltigkeit erkämpfen nicht erschmusen 

Nicht alle fanden einen Sitzplatz und manche kamen gar nicht mehr rein. Die gestrige Eröffnung der VHS-Grenzlandgrün-Reihe „Kapitalismus und Nachhaltigkeit“ ließ manches "Deja vu" aufkommen. Der 2018 - vor Greta Thunberg  Co - erschienene Film „Die grüne Lüge“ von Werner Boote und Kathrin Hartmann fand  gestern in der „Königsburg“ eine ähnlich überraschende Resonanz  wie die „Brennpunkt“-Veranstaltung  „Protest auf dem Schornstein – Widerstand für die Schöpfung“ am 14. Mai 1986. Nach einem Abend über umweltfreundliche Reinigung und schadstofffreies Essen „explodierte“ damals die Zahl der Teilnehmenden in der VHS-Brennpunkt-Reihe. Grund war das im VHS-Programmheft der Stadt Viersen nicht eingeplante Reaktorunglück von Tschernobyl. 

Eine an dem Abend aufgekommene Frustration über „die Politik“ kam gestern wieder hoch. Lars Lange (Eine Erde e.V.) empfahl daher sich zu verweigern und aus der Arbeits- und Konsumspirale auszusteigen. Nachhaltiger Konsum oder Konsumverweigerung ist eine Inszenierung moralischer Überlegenheit. Sie folgt damit dem im Film anschaulich dargestellten  „Greenwashing“ der Konzerne.  Das  ist  - laut Noam Chomsky - die „Erfindung der Mächtigen“, um die in 1970er Jahren entstandene Umweltbewegung unter Kontrolle zu halten. Chomsky fordert, die Machtsysteme unter öffentliche Kontrolle zu stellen und an einem Systemwechsel zu arbeiten, der grüne Lügen überflüssig macht. Letztendlich ist es daher „die Politik“, die zwischen Reden und Handeln, Umsetzung und Verhinderung  entscheiden kann. Nachhaltigkeit bedeutet auch Kampf und Konflikt.  Man kann sie nicht „erschmusen“, sondern muss sie erkämpfen wie die Frauenrechte, die Abschaffung der Sklaverei oder die Demokratie.

Lars Lange

Wie Politik funktioniert, wurde gestern in einem weiteren „Deja vu“ des früheren „Brennpunkt“-Moderators und jetzigen ehrenamtlichen „Königsburg“-Mitarbeiters Ulrich Schäfer deutlich. Er erinnerte an die „Tempo 100“ – Diskussionen in den 1980ern und die im März 2020 bevorstehende Umsetzung in den Niederlanden. In der Tat: Damals galt "Tempo 100" in der DDR, und die Bundesrepublik wollte sich mit „Freie Fahrt für freie Bürger“ davon abgrenzen. Der Deutsche Bundestag lehnte im Oktober 2019 "Tempo 130" auf deutschen Autobahnen mit 498: 126 Stimmen erneut ab. Diesmal ging’s wohl nicht um Abgrenzung von den Niederlanden oder nachhaltige Verkehrspolitik, sondern um die Interessen der deutschen Autoindustrie. Sie bringt als Personenkraftwagen immer noch Zwei-Tonner mit über 400 PS auf den Markt. Wolfgang Kaden, ehemaliger Chefredakteur von „Spiegel“ und „Managermagazin“  nannte  das eine „Kriegserklärung“.  Seit „Fridays for future“ scheint ein nicht nur symbolischer Krieg um Klimaschutz und Nachhaltigkeit ausgebrochen zu sein. Die „Fronten“ sind noch nicht eindeutig. Die Siemens AG hat sich am vergangenen Wochenende positioniert. 

Auf welcher Seite werden der  European  Green deal, die Finanzmärkte oder die  Europäische Zentralbank agieren? Dieser Frage versucht sich die nächste Veranstaltung innerhalb der VHS-Grenzlandgrün-Reihe „Kapitalismus und Nachhaltigkeit“ vor dem Hintergrund des gestern bekannt gewordenen Brandbriefs von „Black Rock“ an die Topmanager weltweit führender Konzerne zu nähern. 

Grenzlandgrün 2014 - 2019

siehe Archiv


 




 


 

 

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