niederrheinisch - nachhaltig 


Samstag, 27. November 2021

Transformationsindustrie

„Falls Ihnen das noch keiner gesagt haben sollte: SARS-COV-2 is here to stay. Das Virus mutiert ständig in potenziell Milliarden von Menschen, die noch ungeimpft sind. Wir werden mit ihm noch lange, lange zu tun haben.“
Ulrich Gutmair: Warum wir erst jetzt geboostert?. TAZ vom 27./28. November 2021

„Die Menschheit verbraucht konstant mehr Ressourcen, als die Erde und ihre natürlichen Systeme in der gleichen Zeit nachproduzieren kann.“
Nadja Podbregar: Wettlauf auf Kosten des Planeten. „Natur.de“ am 24. November 2021

„Das Dilemma besteht darin, dass gerade das, was Entwicklung bewirkt - die Industrialisierung - die natürlichen Grundlagen der Entwicklung zerstört. Uns stellt sich ganz eindeutig nach wie vor die Frage, was für eine Art von Entwicklung und welche Art von Wirtschaftswachstum wir wollen. Wenn wir nicht bald lernen, einen lebenserhaltenden Planeten zu pflegen, anstatt ihn auszuplündern, wird es wirklich zu spät sein.“
Petra Kelly: Vortrag bei der Gandhi Foundation in London, 1988. Volltext der Rede bei lebenshaus-alb.de

„Die Industrie macht Umweltschutz nachhaltig. [...] Das Umweltrecht hat sich bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie zu einem großen Investitionshemmnis für Unternehmen entwickelt.“
Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): https://bdi.eu/spezial/wir-machen/nachhaltigkeit

„Uns läuft die Zeit davon. […] Wenn wir scheitern würden, würden wir das Erfolgsmodell des Industrielands Deutschland zerstören und den Wohlstand des ganzen Landes gefährden.“
BDI-Präsident Prof. Dr. Siegfried Russwurm am 21. Oktober 2021 auf der Pressekonferenz zur Klimapfadstudie 2.0

„Die Welt geht unter. Es werden Experten gebraucht. Man braucht ein Namensschild, ein Thema und jemanden, der einen anmoderiert.“
Alexander Osang im SPIEGEL vom 30. Oktober 2021, S. 65

Samstag, 20. November 2021 
Freiheitsverteidigungspedal 

„Wer das Tempolimit als unwichtig belächelt, der steht nicht auf dem Boden der Realität. Für viele wäre ein Tempolimit eine Einschränkung gewesen, die sie jeden Tag gefühlt hätten. Da stellt sich die Frage: Ist das verhältnismäßig? Ist die Freiheitseinschränkung angemessen gegenüber dem, was damit gewonnen werden kann? Und die Argumente der Befürworter - sowohl hinsichtlich der Verkehrssicherheit als auch hinsichtlich des Einflusses auf den Klimawandel - überzeugen mich nicht. Deshalb bin ich froh, dass die Freiheit hier Vorfahrt hat.“
Juli-Chefin Franziska Brandmann in der WELT vom 15. November 2021, S. 4

"Das Rasen auf der Autobahn in Deutschland ist ein bisschen wie der Waffenbesitz in den USA. Mir leuchtet das auch nicht ein, dass das so hochgehalten wird.“
Robert Habeck bei "Anne Will" am  24. Oktober 2021

„Deutschland hat die freiheitlichste Autobahn der Welt, und diese Freiheit muss täglich mit dem Gaspedal verteidigt werden. Wer vorsätzlich schleicht,  ist ein Feind der Demokratie…“
Zippert zappt. WELT vom 17. November 2021, S. 1


Samstag, 13. November 2021
Frustrationsgerechtigkeit 

„Wir haben überall Wasser, aber wir haben keinen Tropfen mehr aus Teichen oder Brunnen zum Trinken.“
Nazma Khatun aus Gabura am Bengal-Flussdelta auf "weather.com" am 5. November 2021

"Klar, Klimawandel ist das Problem der ganzen Welt, aber reiche Länder haben das Problem ausgelöst und sind dadurch reich geworden. Das ist der Punkt, an dem Politik anfängt. Arme Länder leiden jetzt darunter. […]  Nach den Fluten im Ahrtal hat die Regierung von Angela Merkel 30 Milliarden gegeben. Das ist gut und richtig. Aber wir fragen: Für die Schäden, die bei uns entstehen, habt ihr nichts übrig? […]  „Schäden sind das, was man reparieren kann, wenn man viel Geld hat: eine Brücke, ein Deich. Verluste sind, was nicht wiederkommt […]  Eigentlich müsste es Haftung und Kompensation heißen, aber das wussten die reichen Länder zu verhindern, denn das hätte juristische Konsequenzen: Sie müssten zahlen.  […] Früher verlief der Riss zwischen armen und reichen Ländern. Aber die Reichen interessieren sich nicht dafür, wenn wir sterben. Jetzt entsteht der Konflikt zwischen Jung und Alt.“
Saleemul Huq (International Center für Climate Change and Development)  in der ZEIT vom 11. November 2021, S. 42

„Ich fordere die Unternehmen auf, für den angerichteten Schaden zu zahlen, und die Regierungen, sie zahlen zu lassen“
Mohammed Nasheed  (Malediven)  im Guardian  vom 12. November 2021

„Young people have more at stake in the fight against climate change than anyone else.“
Barack Obamas Tweet am 10. November 2021

„You are right to be frustrated.“
Barack Obama am 9. November 2013 in seiner Radio- und Internetansprache zum Streit um die Anhebung der Schuldengrenze und am 8. November 2021 zu den „young climate leaders“ auf der COP 26 


Samstag, 6. November 2021

Politikverampelung

„Die Reformjahre, die jetzt vor uns liegen, werden keine ganz einfachen Jahre sein.“
Annalena Baerbock auf dem IG BCE-Kongress am 27. Oktober 2021

„Nach einem Jahrzehnt der Belastung soll jetzt ein Jahrzehnt der Entlastung kommen.“
Christian Lindner per Video auf dem IG BCE-Kongress am 27. Oktober 2021

„Wir müssen dafür sorgen, dass Arbeit und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wieder eine größere Rolle spielen in unserer Gesellschaft.“
Olaf Scholz auf dem IG BCE-Kongress am 27. Oktober 2021

„In der Demokratie sind alle gefragt, weil die Regierung von heute Opposition von morgen sein kann und umgekehrt.“
Armin Laschet auf dem IGBCE-Kongress an 27. Oktober 2021

„Grünen-Chefin Baerbock sieht Probleme bei ‚zentralen Baustellen‘.“
"Tagesschau" vom 5. November 2021

„Signalfarben, die keine eindeutige Handlungsanweisung enthalten, mögen manchmal das Bewusstsein für prekäre Situationen schärfen, Krisen werden dadurch keine bewältigt. Praktikabel ist einzig eine Ampel, deren Farben mit eindeutigen Maßnahmen verbunden sind, an denen es nichts zu rütteln gibt. Aus verschiedenen Gründen war und ist dies nicht durchsetzbar.“
Konrad Paul Liessmann: Die Verampelung der Welt. Wiener Zeitung vom 24. Oktober 2020

„Angesichts der jüngsten Entwicklungen in diesem Bereich sollte man eher von einer "Verhampelung" sprechen.“
Guentta am 24.10.2020 im Online-Kommentarbereich der Wiener Zeitung


Samstag, 30. Oktober 2021

Demodernisierungsdynamik

„Ich bezeichne eine Gesellschaft als modern, wenn sie auf dem Modus dynamischer Stabilisierung beruht. Das heißt, wenn ihre institutionelle Grundstruktur, also nicht nur das ökonomische System, sondern auch das Gesundheitssystem, das Bildungssystem, die Kultur permanent Wachstum, Beschleunigung und Innovation brauchen, um zu bestehen. Das ist ein Grundprinzip, das sich durch die Moderne zieht. Deshalb kann ich ziemlich genau angeben,  was eine nicht moderne Gesellschaft wäre - nämlich eine, die dieses Prinzip aufgibt. Und ich glaube wir müssen tatsächlich dahin. Die Welt bedarf einer neuen Form der strukturellen Reproduktion, die nicht auf Steigerung beruht.“ […] 

Die sich anbahnende Ampelkoalition ist sich einig darin, dass sie auf Wachstum setzen will. Aber was heißt das in der Baubranche, in der Transportbranche, in der Tourismusbranche, in der Nahrungsmittelindustrie? Sollen wir wirklich noch mehr fliegen und fahren, bauen und kaufen, reisen und essen? Die Computer und Smartphones in noch schnellerem Tempo austauschen? Und falls das nicht gemeint ist - in welchen Bereichen wollen diese Parteien denn wachsen, ohne mehr Ressourcen zu verbrauchen? Ohne das Stresslevel zu erhöhen? Es gibt darauf keine überzeugende Antwort.“
Hartmut Rosa in: DER SPIEGEL Nr. 41 vom 9. Oktober 2021, S. 120

„Das Wachstum der Infektionen steigt exponentiell. [...] Das Coronavirus schert sich nicht um die Sehnsucht nach der großen Freiheit.“
Martin Kessler: Hohe Inzidenzen, laxe Politik. Rheinische Post vom 28. Oktober 2021, S, A2

„…in diesen Krisenzeiten existieren nur zwei Betriebe, deren Wachstum ungebremst scheint: Tesla und der Bundestag.“
„Zippert zappt“ WELT v. 27. Oktober 2021, S. 1


Samstag, 23. Oktober 2021

Schöngeistakustik

„Niederschwellige Normalakustik, hochwertig und mit Glitzerstaubüberzug…“
Manuel Brug: Münchens Kulturtempel, der keiner sein will. Welt. 12. Oktober 2021, S. 18f

„Die Akustik in dieser 100 Jahre alten Trafohalle […] ist wunderbar. Die Gesprächsklangkulisse bleibt angenehm murmelig, knallt und wabert nicht. […] Der Chorklang ist weich und dunkel und hat Körper. Da kann der Philharmonikerklang nicht mithalten. Der Klang ist nüchtern, ihm fehlt Magie. Jede Feinheit ist hörbar, das Verklingen der Töne bildet gelegentlich Schlieren. […] Zudem kommt der Klang nur von vorn. Er ummantelt den Hörer nicht, was den unangenehmen Eindruck von Frontalunterricht verstärkt…“

Reinhard J. Brembeck; Akustischer Frontalunterricht. Süddeutsche Zeitung. 11. Oktober 2021, S. 13

„Der neue Behelfsbau […] klingt, ganz ohne Umschweife gesagt, völlig akzeptabel. Man kann dort konzentriert mit Freude und Gewinn Orchestermusik hören […]. Solche architektonischen Statements sind ein Zeichen dafür, dass das Bürgertum die museal gewordenen Areale des Industrieproletariats sozial kolonisiert ohne dessen kulturelle und ökonomische Interessen wirklich zu teilen. Man will seine Hegemonie sichern durch eine ausgestellte, daher auch falsche Bescheidenheit, die den Burgfrieden sichern soll.“
Jan Brachmann: Im Schützengraben der Unscheinbarkeit. FAZ. 11. 0ktober 2021, S.9

„Ich bin selber persönlich erschrocken darüber, wie Kinder mir jetzt sagen, dass sie eigentlich keine Lust haben, in diese lauten Klassen zurückzukehren. Wir muten den Kindern einfach einen Geräuschpegel zu, der sozusagen fernab ist von einer guten Lernatmosphäre. […].. Eigentlich ist mein Eindruck, dass wir uns schon länger in einer schulischen Krise befinden und dass es einfach respektlos ist - Lehrern und Kindern gegenüber -  in diesen großen Klassen in verwahrlosten Gebäuden zu unterrichten.“
Kinder und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort am 10. Oktober 2021 im DLF

Samstag, 16. Oktober 2021

Marktbildungsmusik

„Die Volkshochschul-Angebote vermitteln Kenntnisse über Stimme, Klang und Ton, um einen befreiten Umgang mit der eigenen Stimme zu ermöglichen und zu fördern.[…] Praktische und theoretische Grundkenntnisse für das gewählte Instrument werden vermittelt, musikalische und technische Grundlagen gelegt.“
Deutscher Volkshochschulverband: Leitfaden für den Programmbereich Kultur- Gestalten. 2016, S. 18f

"Im musikalischen Bereich der Volkshochschule […] werden theoretische und praktische Seminare angeboten ebenso wie Stimmbildung, Singen, Instrumentalspiel und Einführung in klassische Musikkonzerte.“
Kyong-suk Pak: Musikalische Sozialisation und aktuelle Bildungspraxis. Zum subjektorientierten Lehren und Lernen in der musikalischen Erwachsenenbildung. 2007, S. 98

„Die Kreismusikschule ist ab dem Wintersemester 2011/2012 Ihr direkter Ansprechpartner in allen Fragen, die Musikkurse und Musikworkshops im Angebot der VHS betreffen. […] Die Kurse und Workshops werden auf der Grundlage der aktuellen Satzung und Entgeltordnung der Kreismusikschule angeboten.“
Kreisvolkshochschule Viersen. Programm 2. Semester 2011, S. 197

„Die Entgeltsätze für Erwachsene wurden ebenfalls einem Quervergleich mit umliegenden Musikschulen unterzogen. Im Ergebnis liegt die Kreismusikschule hier sehr deutlich über dem Durchschnitt umliegender kommunaler Musikschulen. Auch private Anbieter haben oftmals günstigere Leistungskonditionen als die Kreismusikschule.“
Kreis Viersen. Sitzungsvorlage 192/2021

„Die Musikschule sollte sich aus der Erwachsenenbildung zurückziehen. Und diesen Bereich dem freien Markt, den privaten Musikschulen überlassen.“
Martin Röse: Aufgabe verfehlt, Rheinische Post Viersen 21. September 2021


Samstag, 9. Oktober 2021

Grünwaschzwang

„Wenn man in Lützerath den Blick über die Landschaft schweifen lässt, sind rundum gut hundert Windräder zu sehen, die übrigens auch RWE Power gehören. Nun blies am Wochenende im Rheinland ein stetiger und ergiebiger Wind. Trotzdem standen, wie so oft, die Hälfte der Turbinen still. Nicht weil sie kaputt wären. Sie sind ausgeschaltet, weil die Braunkohleverstromung ununterbrochen läuft. Die Steinzeittechnologie lässt sich nicht einfach unterbrechen, stattdessen ruhen halt die Windräder, weil das Netz gesättigt ist. So verhindert der Braunkohleabbau sehr direkt, Tag um Tag, Stunde um Stunde, die Nutzung der Erneuerbaren. Und arbeitet sich unermüdlich näher an 1,6 Grad folgende.“
Bernd Müllender: Warten auf die neue Abrisskante. TAZ vom 4. Oktober 2021

„RWE hat sich äußerst geschickt gegen das größte Risiko abgesichert: die stetig steigenden CO2-Preise. 'Das darf man nicht laut sagen, aber mit Kohle verdient RWE richtig gutes Geld', sagt ein RWE-Insider.[…]  'Die detaillierten Informationen werden gut behütet', sagt Analyst Peter Crampton von Barclays: 'Das ist ja auch politisch eher sensibel.' [...] 'RWE sollte deshalb trotz der steigenden CO2-Preise die Braunkohlenkraftwerke gewinnbringend betreiben können.‘“
Jürgen Flauger und Kathrin  Witsch: Milliardengeschäft Kohle. Handelsblatt vom 20. September 2021

„Wir haben mit Erfolg den Neustart gewagt: Mit 120 Jahren erfolgreicher Geschichte im Rücken, hat sich RWE fundamental gewandelt und ist heute ein führender Anbieter von Erneuerbaren  Energien weltweit. Mit Windparks, Solarkraft und Batteriespeichern in vielen Ländern. Schon heute ist der größte Teil unseres Kerngeschäfts grüner Strom.“
www.rwe.com  am 7. Oktober 2021


Samstag, 2. Oktober 2021
Lützerathaus 

"Darüber hinaus wäre es unverantwortlich, den nachfolgenden Generationen den Großteil unserer Reduktionslast aufzubürden, da sie gleichzeitig die Hauptbetroffenen der von uns ausgelösten Klimaveränderung sein werden.“
Deutscher Bundestag - 12. Wahlperiode. Schlussbericht der Enquete-Kommission "Schutz der Erdatmosphäre". Mehr Zukunft für die Erde - Nachhaltige Energiepolitik für dauerhaften Klimaschutz,  Oktober 1994, S. 65

„Einigung über Garzweiler II“
Tagesschau vom 30. Oktober 1998

„Um das Eigentumsrecht der Nonnen an dem Hof für alle Zeiten zu sichern, besiegelte der Erzbischof die Urkunde und erklärte, dass jeder, der versuchen würde, diesen Hof der Kirche […] wegzunehmen, auf immer verdammt sein und zur Hölle fahren soll.“
Erzbischof Philipp aus Köln im Jahre 1168 in Bezug auf den „Paulshof“ in Lützerath – zitiert von Karl L. Mackes: Erkelenzer Börde und Niesquellengebiet. Mönchengladbach 1985, S. 174

„Es wird unerlässlich, ein Rechtssystem zu schaffen, das unüberwindliche Grenzen enthält und den Schutz der Ökosysteme gewährleistet, bevor die neuen Formen der Macht, die sich von dem techno-ökonomischen Paradigma herleiten, schließlich nicht nur die Politik zerstören, sondern sogar die Freiheit und die Gerechtigkeit.“
Papst Franziskus Enzyklika Laudato Si – Über das gemeinsame  Haus. Abs. 53

„Wir lehnen uns auf gegen ein neokoloniales, zerstörerisches System, das die Grundlagen des Lebens weltweit zerstört.“
http://luetzerathlebt.info/

"Lützen" ist ebenso wenig ein Beitrag zum guten Leben wie "Gegenangriff".
'Grenzlandgrün' am 2. Oktober 2021

Lützen ist ein fast vergessenes Verb. Es beschreibt das, was im Klima- und Umweltschutz jahrzehntelang eine Rolle gespielt hat. Die Folge des Lützens sind eher unangenehme Dialoge zwischen Babyboomern und Menschen aus der Generation Z.:  Gespräche, die an die 1960er und 1970er Jahre erinnern. Ein weiteres Ergebnis des Lützens: Lützerath, das katholisch geprägte Dorf, das einst als grüne Insel inmitten weiter Ackerflächen galt, ist heute eine zu verteidigende Zone für klimagerechte Utopien geworden. Lesen Sie mehr


Samstag, 25. September 2021

Raumausstülpung

„Wir müssen verhandeln, wie wir die öffentlichen Räume neu aufteilen. Um sichere Wege zu schaffen, brauchen wir Platz. Aber gerade in den Städten ist der begrenzt und vielfach auch belegt durch Infrastrukturen, die vor allem auf Automobilität ausgerichtet sind…“
"Radprofessorin" Jana Kühl in der TAZ vom 30. Juni 2021, S.5

„Die starke Zunahme der Menschen mit Adipositas in den industrialisierten Ländern führen Wissenschaftler verstärkt auf dick-machende Umweltfaktoren (obesogenic environment) zurück.“
IFB Adipositaserkrankungen der Universität Leipzig  - https://www.ifb-adipositas.de/adipositas/ursachen

Die Fahrzeuggewichte haben sich in den vergangenen Jahrzehnten enorm erhöht…“
Prof. Dr. Eckard Helmers: Die Modellentwicklung in der deutschen Autoindustrie. Gewicht  contra Effizienz. Gutachten vom 9. September 2015

„Der Bundestag wächst nach unseren Berechnungen auf vermutlich mehr als 830 Mandate an, weil sich insbesondere die CSU, aber auch CDU und SPD gegen eine grundlegende Wahlrechtsreform gestemmt haben.“
Britta Haßelmann am 24. September 2021 gegenüber der Rheinischen Post

„Ich glaube, Menschen zu sehen, die sich ein Abbild aus Beton und Stahl von ihrem Wissen über ihren Körper bauen, in der Hoffnung sich in diesem geborgen zu fühlen. Ein Menschgott stülpt sich aus, um sich in sich zu verkriechen.“
Thomas Kaever: Die grüne Autobahn. Kursbuch 53 vom September 1978. S. 106


Samstag, 18. September 2021

Effizienzverlustgarantie

„Genau das erwartet man von einem verantwortlichen Politiker, dass er sich nicht weg duckt, sondern die Dinge auf den Weg bringt, die notwendig sind. Und wenn man eine so kleine Behörde übernimmt und sie groß macht, dann ist das richtig. Und wenn man so große Gesetzesänderungen gegen unglaublich viele Lobbyisten durchsetzt, dann ist das auch richtig.“
Olaf Scholz im Triell am 12. September 2021

„Ich vertraue unserem Land, unseren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, den Unternehmen, den Gewerkschaften, den Forscherinnen und Wissenschaftlern, dass sie unser Land stark machen können. Ich garantiere ihnen als Bundeskanzler - Sie können mir vertrauen -, dass ich Bürokratie abschaffe, dass ich nicht gängele, dass ich Sie machen lasse…“
Armin Laschet im Triell am 12. September 2021

„Herrschaft funktioniert durch Verwaltung. Rational-bürokratische Verwaltung ist in Sachen Schnelligkeit, Präzision, Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit allen anderen Verwaltungsstrukturen weit überlegen, was nicht nur den Herrschenden, sondern auch den Beherrschten zugute kommt. Die Abschaffung rational-bürokratischer Verwaltungsstäbe würde in Massengesellschaften Effizienzverluste katastrophalen Ausmaßes mit sich bringen.“
Mateusz Stachura: Politische Führung: Max Weber heute. Aus Politik und Zeitgeschichte (APUZ 2-3/2010)

Bei all dem Gerede über Entfesselungen und Befreiungen gerät leicht in Vergessenheit, dass wir ein Recht auf gute Verwaltung haben...Lesen Sie mehr...


Samstag, 11. September 2021

Ankündigungsjahrestag 

 „Was ist das jetzt, was in Nordrhein-Westfalen stattfindet? Ein permanenter Vorgang der Reformverweigerung, der Perspektivlosigkeit und des Missmuts. Das ist der Beitrag, der von dort kommt.“
Bundeskanzler Helmut Kohl am 11. September 1996 im Deutschen Bundestag

„Wir sollten diesen Marktradikalen […] unsere Vision entgegenhalten. Wir haben die Vision einer sozialen Bürgergesellschaft, die demokratisch und gerecht zusammenhält und gleichzeitig der Verantwortung für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung auf dieser unserer Erde gerecht wird. […]

Ich werde den Verdacht nicht los, dass Globalisierung bedeuten wird, dass unsere traditionelle Arbeitsgesellschaft fundamental in die Krise geraten wird und wir nur die Alternative haben werden, diese Krise zu individualisieren; das heißt, ein Teil wird Globalisierungsgewinner, der andere Teil Globalisierungsverlierer sein mit all den fatalen Folgen für den Bestand unserer Demokratie.“
Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) am 11. September 1996 im Deutschen Bundestag

„Die heute in der ‚FAZ‘ veröffentlichte Umfrage zeigt, dass die Menschen um tiefe Veränderungsnotwendigkeiten wissen, sich aber nur ungern öffentlich zugestehen, wo angesetzt werden muss. [...] Wir haben Wahlkämpfe nach dem Motto ‚Wer bietet mehr?‘ geführt. Diese Zeiten sind zu Ende…“
Dr. Wolfgang Gerhardt (FDP) am 11. September 1996 im Deutschen Bundestag

„Ich bin im Moment alles andere als verkniffen, mein Lieber; das können Sie mir glauben. Wir werden überhaupt in eine ganz neue Ebene der politischen Beziehung eintreten; das verspreche ich Ihnen.“
Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) zu Guido Westerwelle (FDP) am 11. September 1996 im Deutschen Bundestag

Heute jährt sich „9/11“ zum 20. Mal. Bereits am Nachmittag des 11. September 2001 wurde allenthalben angekündigt, dass dieser Tag die Welt verändern werde. Heute spüren wir die angekündigten Veränderungen …

Heute vor 25 Jahren debattierte der Deutsche Bundestag in Bonn zu den Zukunftschancen Deutschlands als Wirtschaftsstandort. Auch an diesem 11. September wurde viel angekündigt. Die Folgen dieses 25. Jahrestags sind andere….

Am heutigen 11. September 2021 äußert sich Henkel-Chef Carsten Knobel zur Frage, was nach der Bundestagswahl am 26. September 2021 passieren muss... Lesen Sie mehr


Samstag, 4. September 2021

Potentialentfesselungssteuer 

„In den Herausforderungen des Klimawandels liegt auch eine Chance. […] Wir sehen ja jetzt zum Beispiel schon in Duisburg, wie ThyssenKrupp den Stahl klimaneutral durch Wasserstoff produziert.“
FDP-Bundestagskandidat Eric Scheuerle bei der VHS-Veranstaltung „Verbote oder Vernunft? Wie retten wir Klima und Umwelt?" (T720102) am 2. September 2021 in Viersen-Dülken

„Über die Jahre hat Thyssen-Krupp zu wenig in die Anlagen investiert, sodass die Qualität des Stahls litt. […] Während die Konkurrenz derzeit kräftig von der anziehenden Stahlkonjunktur profitiert, kommt bei Thyssen-Krupp vom Boom nicht viel an. […] Thyssen-Krupp hat wie andere Produzenten Programme aufgelegt,  um den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Die Umstellung will der Konzern bis zum Jahr 2050 abschließen. Aus Sicht von Investoren und Kunden ist dieses Ziel viel zu weit in der Zukunft. ‚Wir brauchen jetzt grünen Stahl‘, sagte der Chef eines großen Autoherstellers der ungenannt bleiben wollte. Wer nicht liefern könne, sei halt raus […] Mit seinem Ziel 2050 hängt Thyssen-Krupp weit hinter der Konkurrenz zurück. […] Im Kapitalmarkt kommt der Rückstand bei Thyssen-Krupp nicht gut an.“
Kevin Knitterscheidt, Martin Murphy: Thyssen Krupps Mission Impossible. Handelsblatt vom 30. August 2021, S. 18 f

„Thyssenkrupp etwa hat bereits 700 Millionen Euro an Fördermitteln beantragt. Am Ende wird man 10 Milliarden Euro brauchen.“
Antje Höning: Milliarden für die Wasserstoffindustrie. Rheinische Post vom 3. September 2021, S. B3

„Als Stimme des Fortschritts und der Freiheit wollen wir die Krise gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern bewältigen und Deutschlands Potentiale entfesseln.“
Das Programm der Freien Demokraten zur Bundestagswahl 2021, S. 5

Samstag, 28. August 2021

Entfesselungsfinale

„‘Wenn wir beim Ausbau der erneuerbaren Energien in dem Tempo weitermachen wie heute, klappt der Kohleausstieg 2038 nicht - außer die Nachfrage wird geringer, also wir deindustrialisieren. Das Gelingen der Energiewende in Deutschland hängt nicht davon ab, ob mit RWE ein Ausstiegsdatum vereinbart wird, sondern wie schnell der Ausbau der Erneuerbaren gelingt.‘ Kohleausstieg ist nicht, wenn ein Politiker es sagt - Kohleausstieg ist, wenn Alternativen da sind.“
RWE-CEO Markus Krebber vor der wirtschaftspublizistischen Vereinigung. WELT v. 25 August 2021, S. 9

„Ohne billige Energie hätte es den Kapitalismus nicht gegeben. Und Wachstum ohne billige Energie ist nicht möglich. Bisher lief der Kapitalismus so: Wir sind gewachsen, indem wir alles zerstört haben […]. Aber jetzt geraten wir an die Grenzen des gesamten Planeten. Das war noch nie so. […] Wenn wir aber hart an die Grenzen des Planeten stoßen und schrumpfen müssen, dann gibt es von allem weniger. […] Alle gucken erstaunt, wenn von Rationierung die Rede ist, aber das wird schnell kommen. Zum Beispiel beim Wasser[...]. Ganz schnell werden alle beim Staat anklopfen, nicht beim Markt, um diese Verteilungsfrage zu lösen.“
Ulrike Hermann am 30. Juli 2021 im TAZ-Streitgespräch mit Patrick Graichen

„Werden wir fit für die Zukunft! Machen wir uns fit für den Aufholwettbewerb: Entfesseln wir die Kräfte der Sozialen Marktwirtschaft [...] Nutzen wir die Agilität der Marktwirtschaft, um schnell aus der Krise zu wachsen.“
Das Programm der Freien Demokraten zur Bundestagswahl 2021, S.4

„Nun gut, dann ist eben das Überleben der Menschheit utopisch und unrealistisch. Es gibt nur einen Trost: auch die Mandarine des Geldes werden von der Zerstörung der Natur nicht verschont. Ich stelle mir vor, dass in naher Zukunft die letzten Reichen mit Gasmasken vor den glatten Gesichtern auf der Veranda der letzten Luxusvilla sitzen und durch Strohhalme aus goldenen Flaschen das letzte Trinkwasser saugen."
Robert Kurz: Der Sieg der Ökonomie über das Leben. „Exit-online“ vom 11. Februar 2002


Samstag, 21. August 2021

Westwerteverfallsdatum

„Das Thema Werteexport hat sich erledigt. […] Das westliche Modell ist für Gesellschaften wie in Afghanistan oder im Irak nicht so attraktiv, wie viele geglaubt haben. […] Es gibt in der Tat ein spezifisch deutsches Scheitern. Die normative Aufrüstung des Afghanistaneinsatzes - vom Brunnenbau bis zum Kampf für Frauenrechte - war insbesondere ein deutsches Projekt . […] Wir im Westen hätten aus dem Scheitern der Sowjets viel lernen können.“
Herfried Münkler im Interview mit dem Handelsblatt vom 20. – 22. August 2021, S. 64 f

„Profitieren werden vom Scheitern der westlichen Allianz in Afghanistan wohl all jene Mächte, die den Westen als Feind oder Rivalen betrachten. Radikale Islamisten, der Iran, Russland - nicht zuletzt China, das bereits freundliche Signale an die Taliban und Warnungen in Richtung Taiwan sendet: Wer sich auf den Westen verlässt, wird verraten.

Es ist die bittere Wahrheit: Jene Afghaninnen und Afghanen, die an die Kraft und die Ideale des Westens geglaubt haben, zahlen einen furchtbaren Preis. Unser hehres Ziel, die Demokratie in die Welt zu tragen, ist am Ende zu der erbärmlichen Hoffnung zusammengeschrumpft, ein paar Menschen vor einem grausamen Tod zu bewahren. In diesen Tagen kann man sich fragen, ob es den Westen überhaupt noch gibt.“
Samiha Shafy: Aus der Traum. DIE ZEIT v. 19. August 2021, S. 1 

Samstag, 14. August 2021

Rechenfabel

„Wir sind am Arsch – der Klimawandel ist jetzt.“
Leonard Schubert, MDR Sachsen-Anhalt, am  22. Juli 2021 mit Bezug auf Harald Welzer

„Große Versprechen und Rechentricks haben nicht verhindern können, dass die globalen Kohlendioxidemissionen seit dem ersten IPCC-Bericht von 1990 um mehr als die Hälfte gestiegen sind. Das große Problem sind eben nicht jene, die offen den Klimawandel leugnen, sondern jene, die vorgeben, den Klimawandel zu bekämpfen – und sich dann auf im Wesentlichen symbolische Maßnahmen beschränken.“
Lars Fischer: Der Klimawandel-Haustürservice (Spektrum-Online vom 9. August 2021) 

„Elektromobilität und Wasserstoff, das alles hat schon die Strategieabteilungen der Unternehmen verlassen und wird umgesetzt. Aber solche Prozesse dauern Jahre und das abgedroschene Wort von der Planungssicherheit ist für die Industrie von fundamentaler Bedeutung. Der von Baerbock vorgeschlagene Pakt für Klimaschutz darf eben nicht zur Deindustrialisierung führen, sondern muss der Wirtschaft neue Chancen eröffnen. Wirtschaft ist immer Rechnen. Am Ende muss Geld verdient werden.“
Thomas Sigmund: Grün sein muss sich rechnen. Handelsblatt 9. August 2021, S. 16 

„Wir leben nicht in einer Welt, in der irgendein Fabelwesen dir den Hintern abwischt.“
Roger Daltrey im Spiegel vom 31. Juli 2021, S. 127


Samstag, 7. August 2021

Stromkulturerbe

„Kohleausstieg wird für manche Leute schwieriger sein, aber ohne Kohleausstieg wird das für Menschen in Bangladesch sehr sehr schwierig sein.“
Silvia Weko (IASS) am 5. August 2021 im Deutschlandfunk

„Die Absicherung des Tagebaus Garzweiler im Rahmen der Leitentscheidung aus 2016 war ein zentrales Anliegen von RWE/NRW.“
aus einem Vermerk vom 27. Januar 2020 aus dem Referat 422 (Energiepolitik und Energiewende) des Bundeskanzleramtes an die Bundeskanzlerin

„Rund 19.000 Einwendungen aus der Bevölkerung des geplanten Abbaugebietes lagen dem Kölner Regierungspräsidenten vor. Die Einwender bezweifeln die energiepolitische Notwendigkeit dieses gigantischen Jahrhundertprojekts ebenso wie dessen ökologische und soziale Verträglichkeit.“
Johannes Nitschmann: Die Braunkohlen-Connection. TAZ vom 30. März 1995

„Das ist krank... Braunkohle ist so ziemlich der dreckigste Weg Strom zu erzeugen. Und man reisst dafür Dörfer ab. Komplett verrückt..“
"Gentigan" am 14. März 2021 im Standard-Leserforum

„Vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege wurden darüber hinaus weitere 30 Objekte zur Eintragung in die Baudenkmalliste vorgeschlagen sowie die Ausweisung des Ortes Keyenberg als Denkmalbereich.“
Bezirksregierung Köln: Braunkohlenplan Garzweiler II  vom 31. März 1995, S. 171 

„Ich habe Keyenberg zu retten – aber wir alle einen Planeten.“
Barbara Ziemann-Oberherr aus Erkelenz-Keyenberg am 16. Mai 2020

„Wenn man eine Not hat, wendet man sich an Rheinbraun, und Rheinbraun pflegt in der Regel zu helfen.“
Jürgen Endemann (FDP) in der TAZ vom 30. März 1995

„RWE ist Energiewende live.“
Stephanie Schunck, Head of Group Communications & Public Affairs RWE AG, in einer Pressemitteilung vom 10. Juni 2021


Samstag, 31. Juli 2021

Schutzentpflichtung

„Die […] Schutzpflicht des Staates umfasst auch die Verpflichtung, Leben und Gesundheit vor den Gefahren des Klimawandels zu schützen. Sie kann eine objektivrechtliche Schutzverpflichtung auch in Bezug auf künftige Generationen begründen.“
BVerfG, Beschluss des Ersten Senats vom 24. März 2021, aus dem ersten Leitsatz

 „Diese Bundestagswahl wird keine wie jede andere […]. Die Erkenntnis, dass dies die letzte Wahl ist, mit der wir die Kurve zum Schutz der Lebensgrundlagen noch kriegen können, ist selbst bei Konservativen angekommen.“
"Hereinspaziert" - Auftakt zum Greenpeace-Magazin "Natürlich wählen". August - September 2021, S. 11

„Viele Leute haben schlicht die Nase voll von Veränderungen. Sie sehnen sich nach Ruhe und Stabilität.“
Nick Reimer/Toralf Staud: Deutschland 2050. Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird. Köln 2021, S. 19

„Annalena Baerbock: 19%, Olaf Scholz: 18%, Armin Laschet: 17%, Keiner: 45%“
Forsa-Umfrage zur „Direktwahl des Bundeskanzlers:“ vom 28.Juli 2021

„Der Kanzlerkandidat mit den höchsten Zustimmungswerten hat keinen Namen.“ SPIEGEL-Online vom 14. Juli 2021: Baerbock und Scholz liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen

„Kein Name. Keine Verpflichtung“
SOKO Kitzbühel, Staffel 12, Folge 4

„In Wahrheit bedeutet nicht Klimaschutz eine große Veränderung - vielmehr würde ein Verzicht auf Klimaschutz unser aller Leben auf den Kopf stellen."
Nick Reimer/Toralf Staud: Deutschland 2050. Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird. Köln 2021, S. 19

Samstag, 24. Juli 2021

Denkschutzdämme

„Sensationelle Neuigkeiten sind zu vermelden: Es gibt keine Umwelt. Nichts, was den Menschen bloß umgäbe, kein Außen, dem er autonom, souverän oder gar unverletzlich gegenüberstünde. Vielmehr ist der Mensch immer schon Teil der Natur, sie geht über ihn hinweg und durch ihn hindurch, er besteht aus ihr. Ja, tatsächlich. […] Es gibt keine Prävention, ohne dass wir unsere Art des naturzerstörerischen Wirtschaftens und Konsumierens gehörig verändern.“
Bernd Ulrich: In unserer Natur. DIE ZEIT vom 22. Juli 2021, S. 1

„Seit drei Jahren versuchen Seehofers Beamte, für einen verbesserten Hochwasserschutz bis 2021 einen länderübergreifenden Raumordnungsplan 'zum Schutz der Menschen und Umwelt entlang unserer Gewässer' zu entwickeln […] Was dieser Tage angesichts der schrecklichen Bilder aus dem Rheinland und der zahlreichen Toten einleuchtend klingt, wurde bisher allerdings bekämpft: von Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, aber auch und vor allem von der Industrie.“
Daniel Delhaes: Raumordnungsplan. Streit um Hochwasserschutz. Handelsblatt vom 21. Juli 2021, S. 6

„NRW ist übrigens das am schlimmsten versiegelte Flächenland, trotzdem werden dort täglich weitere zehn Hektar verplombt.“
Bernd Ulrich: In unserer Natur. DIE ZEIT vom 22. Juli 2021, S. 1

„Es ist alles so einfach: Ist das Land imprägniert, fließt das Wasser nicht ab. [...] Vielleicht sind ja nicht nur die Böden versiegelt, die  - in der Fläche betrachtet  - zum Problem wie zur Lösung zählen; sondern vielleicht sind es die Hirne der Gummistiefel-Entscheider, die wetterfest vernagelt sind. [...] Es geht nicht um den Wiederaufbau des Gewohnten und höhere Dämme zum Schutz davor, anders denken zu müssen.“
Gerhard Matzig: Böden versiegelt, Hirne vernagelt. SZ vom 21. Juli 2021, S. 11


Samstag, 17. Juli 2021

Landnutzungsintensitätspolitik

„Die kritische Bewertung der Landnutzungsintensität resultiert vor allem aus einem hohen Anteil bebauter Flächen innerhalb der Auen, aus einem hohen Anteil intensiv genutzter landwirtschaftlicher Flächen sowie regional aus einem hohen Anteil von Abgrabungsgewässern, wie z. B. Kiesgruben.“
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und Bundesamt für Naturschutz (BfN): Auenzustandsbericht – Flussauen in Deutschland. Oktober 2009. S. 13 

„Der Zustand der Flussauen in Deutschland hat sich in den vergangenen 12 Jahren […] nicht wesentlich verändert. […] Dieses Ergebnis ist aufgrund des nach wie vor hohen Nutzungsdrucks durchaus erwartungsgemäß.“
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und Bundesamt für Naturschutz (BfN): Auenzustandsbericht 2021. Flussauen in Deutschland. März 2021. S. 21 

„Der anhaltend hohe Flächenverbrauch für Siedlungen, Gewerbe und Industrie, die großen Defizite beim ökologischen Umbau unserer Flüsse und Bäche sowie eine verfehlte Forstpolitik sorgen dafür, dass die Natur die Wassermassen nicht mehr abpuffern kann. Hier muss dringend umgesteuert werden.“
Holger Sticht, Landesvorsitzender BUND NRW in einer Pressemitteilung vom 15. Juli 2021

„Entschuldigen Sie, junge Frau, weil jetzt ein solcher Tag ist, ändert man nicht die Politik."
Armin Laschet beim WDR-Interview mit Susanne Wieseler in der „Aktuellen Stunde“ am 15. Juli 2021

„Der Satz ist nicht gefallen, er gehört nicht zu meinem Sprachgebrauch.“
Armin Laschet,  zu  #jungeFrau  „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ vom 16.Juli 2021


Samstag, 10. Juli 2021

Landwirtschaftsbefreiungsmaßstab

„Wir sind aufeinander zu- und nicht aufeinander losgegangen.“
Werner Schwarz, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes FR-online  vom 6. Juli 2021


„Der Bericht ist der Anfang eines gemeinsamen Weges und nicht sein Ende.“
Kai Niebert (Deutscher Naturschutzring) – FR-online vom 6. Juli 2021

„Jetzt haben wir einen schönen Packen für alle, die potenziell regierungsfähig sein werden. Die kommen an diesem Bericht nicht mehr vorbei.“
Angela Merkel bei der Übergabe des Berichts der Zukunftskommission Landwirtschaft am 6. Juli 2021


„Wir erwarten ganz klar, dass die künftige Bundesregierung unsere Empfehlungen annimmt und in den Koalitionsverhandlungen die Umsetzung dieser Maßnahmen vorsieht.“
Myriam Rapior - Vorstand BUNDjugend in Tagesschau am 6. Juli 2021

"Jede Generation hat etwas zu meistern. Ich glaube, wir müssen das jetzt einfach angehen. Wir haben jetzt auch endlich mal ein Ziel, wo es hingeht. Genau das Ziel hat den Landwirten zuletzt auch gefehlt."
Katrin Muus - Vorsitzende Bund der Deutschen Landjugend in Tagesschau am 6. Juli 2021

„Der Auftrag eine Zukunftsvision vorzulegen ging an die beiden Jugendvertreterinnen in der Kommission Myriam Rapior vom BUND und Katrin Muus von der Landjugend malten das Bild einer klimaverträglichen Landwirtschaft, in der regionale Produkte Vorrang haben und Bauern Ressourcen wie Wasser und Böden nicht nur schonen sondern ‚regenerativ‘ wieder aufbauen; in der Lebensmittel weltweit gerecht verteilt sind. Wollte der Rest der Kommission der am meisten betroffenen Generation gegenüber glaubwürdig bleiben, legte das den Maßstab für die Verhandlungen.“
Christiane Grefe: Traumwelt Landwirtschaft.  DIE ZEIT vom 8. Juli 2021, S. 31


Samstag, 3. Juli 2021

Entgenscherung

„Was wir zur Erhaltung und Wiedergewinnung einer menschenwürdigen Umwelt für die Zukunft brauchen, ist ein ökologisch fundiertes Management der Landschaft, unserer natürlichen Umwelt. Genauso wie ihre Einzelelemente - Luft und Wasser - nicht an irgendwelchen Verwaltungsgrenzen haltmachen, ist die Landschaft nur als Ganzes zu erfassen und nur als Ganzes zu gestalten.“
Bundesminister Hans-Dietrich Genscher am 16. Dezember 1970 im Deutschen Bundestag

„Zu den unabdingbaren Menschenrechten gehört das Recht auf eine Umwelt in bestem Zustand […] Umweltschutz hat Vorrang vor Gewinnstreben und persönlichem Nutzen. Umweltschädigung ist kriminelles Unrecht.“
„Die Freiburger Thesen der Liberalen“ – Beschluss des 22. FDP-Bundesparteitags vom 25. - 27. Oktober 1971

 „Die Liberalisierung des Handels durch die Welthandelsorganisation und die Befreiung der Finanzmärkte von nationalen Schranken hat die Weltordnung jenem ‚wirtschaftsfördernden Weltstaat‘ nähergebracht, von dem die Ultraliberalen schon immer geträumt haben - einem globalen Marktstaat, in dem die Nationalstaaten nur noch die Aufgabe haben, die Verwertungsbedingungen des Kapitals regional zu sichern und die Folgen - Arbeitslosigkeit, soziale Unruhen, Ungleichgewichte  - zu bearbeiten.“
Mathias Greffrath: Follow the Science, follow the Law! In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Heft 7/2021, S. 62f

„Wir Freie Demokraten wollen eine ideologiefreie umweltpolitische Gesetzgebung und die Förderung einer lebendigen, innovativen Start-up-Kultur. Erfindergeist muss Entfaltungsmöglichkeiten bekommen, sodass alle von den Ideen profitieren und ungewöhnliche Ideen zur Marktreife gebracht werden können. Diese dürfen sich dann im marktwirtschaftlichen Wettbewerb beweisen. Wir unterstützen daher auch alle Innovationen in Züchtung, Pflanzenschutz, Digitalisierung und anderen Bereichen, die durch ihre Nutzung dazu beitragen, die Belastung der Umwelt zu minimieren.“
„Nie gab es mehr zu tun“ – FDP-Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2021 - Beschluss des 72. FDP-Bundesparteitags vom 14.-16. Mai 2021

Samstag, 26. Juni 2021
Wasserstoffsystemkontrolle

„Nun, was wird an Stelle der Kohle als Treibstoff dienen? - (..) Das in seine Elementarbestandteile zerlegte Wasser (…) zerlegt durch Elektrizität (...) Ich glaube also, daß man, wenn unsere jetzigen Kohlenschächte einmal erschöpft sein werden, mit Wasser heizen wird. Das Wasser ist die Kohle der Zukunft.“
Jules Verne: Die geheimnisvolle Insel. (1875) S. 501f 

Die Bundesregierung setzt mit großem Tamtam auf Wasserstoff, ohne zu erklären, wo der erneuerbare Strom herkommen soll, den man braucht, damit Wasserstoff klimafreundlich wird.“
Ingrid Nestle (MdB) in ihrem Blog am 20.Juni 2020

„Ohne die Sonne Afrikas werden wir alle diese Ziele nicht erreichen können.“ Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im DW-Interview vom 10. Juni 2020

„Die Entscheidung auf Klimaneutralität zu gehen, hat das Spiel komplett verändert.“ Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer, BDI beim Tag der Industrie am 21. Juni 2021

"Deutschland ist und wird bleiben ein Importland von Energie. Es werden nur andere Stoffe, und es werden auch andere Partnerschaften sein. Wir müssen einfach anders denken. (…) Wir werden auch alte Energiepartner sehen. (...) Die Partnerschaften jetzt schon auszuschließen die man definitiv nicht wollte, davor würde ich warnen. (...) Schon jetzt funktionieren Partnerschaften auch unter politisch spannungsgeladenen Situationen in der Liefersicherheit durchaus gut.  Wir sollten viel mehr darauf achten, dass wir Partnerschaften so aufbauen, dass deutsche Unternehmen (...) auf dem Weltmarkt nachgefragt sind."
Katharina Reiche, CEO Westenergie und Vorsitzende des Wasserstoffrats der deutschen Bundesregierung beim Tag der Industrie am 21. Juni 2021

„Das Gegenkonzept zur Energieautonomie wäre die Integration der erneuerbaren Energien in das bestehende Energieversorgungssystem, um diese darin einzubinden und unter Kontrolle zu halten. Diese Integration entspricht dem, was der italienische politische Denker Antonio Gramsci die „passive Revolution” nannte: Ein existierendes System bekennt sich zu seinen Versäumnissen in einer allgemein relevanten Frage, nimmt die Kritik an und bedankt sich bei den Anstoßgebern, erklärt sich aber nunmehr selbst als einzig kompetent für die Umsetzung; sodann interpretiert es die Frage nach seinen Regeln und setzt nur unwesentliche Teile davon um.“
Hermann Scheer: Energieautonomie. Eine neue Politik für erneuerbare Energien. München 2005, S. 235



Samstag, 19. Juni 2021

Identitätsvolatilitätsgrenzen

"Dass man nur ist, was man tut, und dass man nur tut, wofür es einen Markt gibt, und dass es nur einen  Markt gibt für das wofür man bezahlt wird, ist das Mantra der neuen Identität." ( ) Das "Ich" ist in dieser Sichtweise eigentlich nur eine störende Gewohnheit, ein Automatismus, der stumpf und träge macht. Weil man nur ist, was man tut und ständig etwas Neues tun muss, produziert man auch permanent ein volatiles Selbst."
Frank Schirrmacher: Ego. Das Spiel des Lebens.. München 2013, S. 249 und S. 257

„Es hatte uns immer getröstet zu glauben, dass wir eigentlich ganz anders seien. Und hierher gar nicht gehörten und wir sehen es immer noch nicht ganz so ein, dass wir langweilige Realisten geworden sind mit einem sinnlosen Job. Komm wir tun einfach so als ob. Als ob. Als ob.“
Dota Kehr aus dem Album „Wir rufen Dich Galaktika". 2021

„Je mehr eine Information also in eine Wissensstruktur eingebunden ist, desto weniger lässt sie sich als abgegrenzt einzeln erfassen, ist aber - im Kontext betrachtet - weniger identitätsvolatil als eine Information außerhalb stabiler Vernetzungen."
Torben Frank: Der Schutz von Unternehmensgeheimnissen im öffentlichen Recht. 2008. S. 150 


Samstag, 12. Juni 2021

Naturverantwortungsverschiebung 

„Ohne eine intakte Umwelt ist eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung nicht möglich. Die Industrie erbringt den Großteil der Mittel für Forschung und Entwicklung und ist dadurch in der Lage, weltweit vorbildliche Standards im Umweltschutz zu erfüllen. (...) Die Auswahl des richtigen umweltpolitischen Instruments muss sich an Kosten und Effizienz ausrichten. Es muss vermieden werden, dass industrielle Produktion aus Deutschland an Standorte mit weniger ambitionierten Umweltstandards verdrängt wird. Umweltpolitik muss daher stets die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie im Blick behalten.“
Bundesverband der deutschen Industrie: Nachhaltig Eindruck machen: Wie innovative Technik die Umwelt schützt

„Mehr als 200 Verbände und Unternehmen stehen gemeinsam ein für einen wirksamen Klimaschutz. Das revidierte CO2-Gesetz setzt dafür den richtigen Rahmen und bietet grosse Chancen. Es garantiert Wohlstand und fördert Innovationen, es sorgt für Investitionen und sichert Arbeit in der Schweiz.“
Kampagne „Schweizer Wirtschaft für das C02-Gesetz

„Der Anteil der nachhaltigkeitsorientierten Unternehmen an der Grundgesamtheit aller deutschen Unternehmen beträgt 0,15%.“
Gesellschaft für Wissens- und Technologietransfer::Stand nachhaltigen Wirtschaftens in Deutschland. Studie im Auftrag des Rats für nachhaltige Entwicklung. Mai 2021, S. 51

„Dieses CO2-Gesetz wird am Klimawandel überhaupt gar nichts verändern. Dafür ist die Schweiz eine zu kleine Nummer und im Ausland werden im großen Stil neue Kohlekraftwerke neu gebaut, die ein Vielfaches an CO2 ausstoßen als die ganze Schweiz. (…) Wer dieses Gesetz befürwortet, der ist entweder ein direkter Profiteur oder ein Sozialist. (...) Die Natur und die Umwelt liegen mir am Herzen. Darum sage ich ihnen, ich werde mithelfen einen pragmatischen Weg zu gehen, wenn dieses Gesetz, diese Umverteilung, dieser Sozialismus versenkt ist.“
Christian Imark (Jg. 1982) Schweizerische Volkspartei

„Ich dachte nicht, dass ich das mal sagen würde, aber das Geile an der Biodiversitätskrise ist ja, dass multinationale Konzerne noch nicht so krass ein Narrativ entwickelt haben, wie man die Schuld dafür den Individuen in die Schuhe schieben kann. Also Shell und BP und solche Leute haben das für den Carbon Footprint schon hervorragend geschafft, so dass wir uns alle fragen, "hä war ich das?“"
Samuel Kramer (Jg. 1996) auf der GLS-Jahresversammlung am 9. Juni 2021  


Samstag, 5. Juni 2021

Doofwahlprävention 

„Zu DDR-Zeiten ging die Person in die CDU, die einerseits mit der SED nicht unmittelbar etwas zu tun haben wollte, andererseits aber schon Karriere machen wollte und nach einem Posten suchte, der sich aus der Menge heraushob. Insofern war das eine ambivalente Situation.“
Gero Neugebauer im DLF am 3. Juni 2021

„Auf in die Zukunft…aber nicht auf roten Socken“
CDU-Wahlkampfplakat 1994

"Einverleiben, Unschädlichmachen, Wohlfühlen (und wie nebenbei: Profitieren)"
Bernd Ulrich zum Beitrag der CDU zur politisch-psychologischen Balance Deutschlands, DIE ZEIT vom 2. Juni 2021. S. 2

»Wir haben es mit Menschen zu tun, die teilweise in einer Form diktatursozialisiert sind, dass sie auch nach dreißig Jahren nicht in der Demokratie angekommen sind. Diese Menschen sind nicht durch gute Arbeit in Regierungen zurück zu gewinnen (…). Man muss am Ende des Tages breite Mehrheiten finden, gegen sie Politik zu machen und (…) hoffen, dass die nächste Generation (...) etwas weniger ausgeprägt solche Minderheitsmehrheiten hervorbringt. (…) Wir blicken gleichwohl optimistisch in die Zukunft.“
"Ostbeauftragter" Marco Wanderwitz, CDU, im FAZ-Podcast vom 28. Mai 2021

„Tatsächlich bestätigen regional vergleichende Untersuchungen, in welchen Strukturdaten mit Einstellungsdaten auf kreiskommunaler Ebene analytisch verknüpft werden, dass Befragte aus Regionen, die sich entweder günstig oder ungünstig entwickelnde Lebensumfelder bieten, politische Einstellungen hegen, die in Ost- wie Westdeutschland in dieselbe Richtung weisen.“ (...) Diese Trennlinie von innerdeutsch gespaltenen Einstellungsmustern folgt mithin erkennbar nicht dem Verlauf der ehemaligen Grenze zwischen der DDR und der alten Bundesrepublik.“
Everhard Holtmann in „Zeitschrift für Politikwissenschaft“ vom 20. Juli 2020

In der Diskussion um rechtsextreme Tendenzen in Ostdeutschland fordert Thüringens Ministerpräsident Ramelow eine gesamtdeutsche Debatte. Der Linke-Politiker sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, man könne sich im Westen nicht zurücklehnen und sagen – Zitat – „die Ostdeutschen wählen doof“.
DLF-Nachrichten am 3. Juni 2021

„Vielleicht auch angesichts ihrer selten besprochenen eigenen Mischung aus Demütigung und Komplizenschaft zu Zeiten der SED rückt die CDU selbst einen so gemäßigten Linken wie Ministerpräsident Bodo Ramelow in die Nähe des Extremismus.“
Andreas Beckmann: Zwischen Eigensinn und Anpassung, DLF am 3. Juni 2021

 

Samstag, 29. Mai 2021

Staatswagnis 

„Wir gründen nicht nur zu wenig, sondern auch zu deutsch. Wir gehen die Sache wissenschaftlich an und bereiten sauber berechnete Businesspläne vor, mit stimmigen Unit-Economics, erklärbaren Geschäftsmodellen und aufsteigenden Charts. Daraus kann auch etwas Großes werden, aber selten etwas Gigantisches – denn dazu ist es zu offensichtlich und berechenbar. Weltverändernde Dinge starten jedoch oft nicht als durchgeplante Geschäftsmodelle, sondern fast zufällig.“
Erik Podzuweit: Mutige Tüftler braucht das Land. Handelsblatt vom 8. Dezember 2019

„Die Venture Capital Investitionen sind in Deutschland im internationalen Vergleich niedrig. Das ist bedauerlich. Ein höheres Venture Capital Niveau könnte in Deutschland stärker als bisher zu Innovationen, Arbeitsplätzen und Wohlstand beitragen. Der eingeschlagene Weg, geringe private Venture Capital Investitionen durch staatliche Mittel auszugleichen, ist nicht allzu vielversprechend. Der deutsche Staat sollte vielmehr zu attraktiveren Rahmenbedingungen für mehr private Venture Capital-Aktivitäten beitragen, etwa durch den Abbau regulatorischer Hürden für Firmengründungen, auf dem Arbeitsmarkt und im Steuersystem.“
Alexander Fink, Fabian Kurz: Venture Capital in Deutschland: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. IREF-Diskussionsbeitrag vom 6. März 2020

„Die Aluminiumherstellung und -verarbeitung ist wirtschaftsgeschichtlich gesehen eine verhältnismäßig junge Industrie. (...) Das Risiko für die Investitionen dieser neuen Technik, deren Entwicklung in der Gründungszeit noch vollkommen unübersehbar war, konnte von der Privatwirtschaft nicht übernommen werden. Es bedurfte des staatlichen Kapitalgebers, um der jungen Industrie den Weg zu bahnen.“
Dr. Herbert Müller Jena: Neue Industrien verwandeln eine Landschaft in IHK Mönchengladbach: (Hg.): Lebendige Wirtschaft im Wandel zum Morgen. Mönchengladbach 1963. S. 205


Samstag, 22. Mai 2021

Entschädigungsfallen(ab)bau

"Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) verschenkt vier Milliarden Euro Steuergeld an Kohlekonzerne. Statt 4,35 Milliarden Euro Entschädigung für den Kohleausstieg stehen den Energiekonzernen RWE und LEAG maximal 343 Millionen Euro zu."
Ein am 16. Mai 2021 veröffentlichtes Ergebnis der EMBER-Wirtschaftsanalysten, die zusammen mit Greenpeace die bislang unter Verschluss gehaltene Berechnungsformel des Bundeswirtschaftsministeriums entschlüsselt haben.

„Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis, wenn Geld bezahlt wird für die Stilllegung eines Kraftwerks wie hinter mir im Rheinischen Revier in Weisweiler.“ Oliver Krischer  (Grünen-MdB ) in seinem Tweet vom 16. Mai 2021

"Weisweiler ist mit Abstand das schlechteste Beispiel, um eine Vergütungsrechtfertigung darzustellen. Hätten Sie sich vielleicht mal vor die BoA-Blöcke in Neurath gestellt. Sie sind 2012 In Betrieb genommen worden, Investitionssumme 2,6 Milliarden Euro und eine Abschreibungsperspektive von 25 bis 30 Jahren (…) Da haben wir einen entscheidenden Berechnungspunkt, wo vergebliche Investitionen vergütet werden müssen."
Dr. Georg Kippels (CDU-MdB) in der Aktuellen Stunde des Bundestags „Entschädigungszahlungen für Braunkohlekraftwerke" am  21. Mai 2021 in seiner  Antwort auf den Tweet von Oliver Krischer

„Ohne den Neubau modernster, konventioneller Kohlekraftwerke wie hier in Neurath sind die ehrgeizigen Klimaschutzziele nicht erreichbar.“
Hermann Gröhe (CDU-MdB) am 2. Juni 2008 an der der BoA-Kraftwerksbaustelle in Neurath

„Im letzten Jahr haben die Erdgasverteilnetzbetreiber in Deutschland die Rekordsumme von 1,527 Milliarden Euro investiert; diese Investitionen werden aufgrund von Vorgaben der staatlichen Regulierung über einen Zeitraum von wenigstens 45 Jahren abgeschrieben und die Netzentgelte entsprechend kalkuliert.“ Aus dem Regelungsvorschlag der „Stiftung Klimaneutralität“ vom 18. Mai 2021

"Klimaneutralität bis 2045 heißt nichts anderes, als dass bis dahin die Nutzung von Erdöl, Kohle und Erdgas in Deutschland beendet sein muss. Dieses Enddatum bedarf einer gesetzlichen Verankerung – und zwar unverzüglich, denn viele Anlagen haben Abschreibungszeiträume, die teilweise weit über 2045 hinausreichen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass heute Fehlinvestitionen getätigt und morgen Entschädigungsansprüche von Privaten gegenüber der Gemeinschaft der Steuerzahler geltend gemacht werden.“
Aus dem Regelungsvorschlag der „Stiftung Klimaneutralität“ vom 18. Mai 2021

Samstag, 15. Mai 2021

Lebensstandardsgerechtigkeit

„Bei unserer Rentenreform sind Junge und Ältere gleichermaßen Gewinner. Wir schaffen Gerechtigkeit zwischen den Generationen, wir setzen auf Solidarität mit Gewinn sowie auf Sicherheit und Bezahlbarkeit(..) Damit die Möglichkeit eines zusätzlichen Vermögensaufbaus kein Privileg von wenigen wird, starten wir das größte Programm zur Förderung eines Altersvorsorgevermögens, das jemals in dieser Republik aufgelegt worden ist.“
Walter Riester am 16. November 2000 im Deutschen Bundestag 

„Zum ersten Mal ist der Bevölkerung signalisiert worden, dass die Absicherung des Lebensstandards durch den Staat vorüber ist. Wenn das den Leuten in den nächsten Monaten bewusst wird, ist schon viel gewonnen.“
Prof. Meinhard Miegel im Handelsblatt vom 21. September 2001

„Die Riester-Rente ist gescheitert. 20 Jahre lang wurde damit Rentenpolitik für die Versicherungslobby gemacht. Jetzt muss Schluss sein.“
Gerhard Schick am 11. Mai 2021 zum Kampagnenstart "Stoppt die Riester Rente“

„Ich will keine Riester Rente, lieber Riesters Rente.“
Petra Rockelsberg zu einem Facebook-Post von Dietmar Bartsch am 11. Mai 2021

„Das Bundesverfassungsgericht hat die Politik verdonnert, Klimaschutz nicht zulasten künftiger Generationen zu verschleppen. Auch bei Haushalt, Rente und Bildung stellt sich diese Frage.“
Handelsblatt vom 1. Mai 2021

Dass es hier auch um Verteilungsfragen innerhalb einer Generation geht und nicht um Naturgesetze, spielt in der Sachzwanglogik der Neoliberalen keine Rolle - das von ihnen bevorzugte Wirtschaftssystem ist demnach immer alternativlos.“
Heise-online vom 13. Mai 2021

„Ihr gewohnter Lebensstandard!“ In Europa wird damit immer Wohlstand assoziiert, und der braucht angeblich immer Wachstum. Hatte nicht schon vor fast 50 Jahren der Club of Rome die Grenzen des Wachstums aufgezeigt?(..) Lehren uns nicht inzwischen sehr konkrete Klimaveränderungen, wie fatal der ganze Wachstumsirrsinn ist?“
Pieke Biermann: Altersvorsorge - Die Lüge eines lebenslangen Wohlstandes. „Deutschlandfunk-Kultur“ am 18. September 2020

Samstag, 8. Mai 2021

Lebendigkeitseinfügung

„Das Konzept 'Natur' wurde in der Zeit der Aufklärung geschaffen, diese Vorstellung, dass es eine äußere Welt gibt, die unabhängig und außerhalb von uns ist, die Welt als Rohstoffquelle, die wir nutzen und ausschöpfen und missbrauchen können, weil wir außerhalb davon sind. (...) Was wir heute grob als 'Natur' bezeichnen, hat in der Kultur der Yoruba noch nicht einmal einen Namen, weil kein Unterschied zwischen uns und dem Geschehen um uns herum gemacht wird. In der Ifa-Religion der Yoruba gibt es "Lebendigkeit" auch in der nichtmenschlichen Welt. Berge können um Rat gefragt werden, Bäume können Privilegien haben."
Bayo Akomolafe: Wir haben die Klimakrise nicht "unter Kontrolle" - DW-Interview vom 7. Juli 2020

„Wer glaubt, die Supermächte seien die Herren der Welt oder unsere Existenz hinge von den Märkten der Vereinigten Staaten, Chinas und der Europäischen Union, könnte kaum falscher liegen. Denn die Nation der Pflanzen ist die einzig wahre und ewige planetare Kraft. Ohne Pflanzen gäbe es keine Tiere und womöglich kein Leben auf der Erde.“
Stefano Mancuso: Die Pflanzen und ihre Rechte. Eine Charta zur Erhaltung unserer Natur. Stuttgart 2021, S. 13

„Ich halte den Grundgedanken, dass die menschliche Wirtschaftsordnung der Ordnung der Natur insgesamt entsprechen soll (…) für richtig. Gerade die Umweltkrise erinnert daran, daß die menschliche Ökonomie sich als die Ökologie der Gattung Homo sapiens in die Ordnung des Ganzen einzufügen hat.“
Klaus Michael Meyer Abich: Wege zum Frieden mit der Natur. Praktische Naturphilosophie für die Umweltpolitik. München-Wien 1984, S. 125


Samstag, 1. Mai 2021

Nachhaltigkeitsbefreiung

„Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“
Art. 20a GG

„Besteht wissenschaftliche Ungewissheit über umweltrelevante Ursachenzusammenhänge, schließt die durch Art. 20a GG dem Gesetzgeber auch zugunsten künftiger Generationen aufgegebene besondere Sorgfaltspflicht ein, bereits belastbare Hinweise auf die Möglichkeit gravierender oder irreversibler Beeinträchtigungen zu berücksichtigen.“

„Als Klimaschutzgebot hat Art. 20a GG eine internationale Dimension. Der nationalen Klimaschutzverpflichtung steht nicht entgegen, dass der globale Charakter von Klima und Erderwärmung eine Lösung der Probleme des Klimawandels durch einen Staat allein ausschließt. Das Klimaschutzgebot verlangt vom Staat international ausgerichtetes Handeln zum globalen Schutz des Klimas und verpflichtet, im Rahmen internationaler Abstimmung auf Klimaschutz hinzuwirken. Der Staat kann sich seiner Verantwortung nicht durch den Hinweis auf die Treibhausgasemissionen in anderen Staaten entziehen.“

„Art. 20a GG ist eine justiziable Rechtsnorm, die den politischen Prozess zugunsten ökologischer Belange auch mit Blick auf die künftigen Generationen binden soll.“

„Die Schonung künftiger Freiheit verlangt auch, den Übergang zu Klimaneutralität rechtzeitig einzuleiten. Konkret erfordert dies, dass frühzeitig transparente Maßgaben für die weitere Ausgestaltung der Treibhausgasreduktion formuliert werden, die für die erforderlichen Entwicklungs- und Umsetzungsprozesse Orientierung bieten und diesen ein hinreichendes Maß an Entwicklungsdruck und Planungssicherheit vermitteln.“
BVerfG, aus den Leitsätzen zum Beschlusses des Ersten Senats vom 24. März 2021 – 1 BvR 2656/18 -, Rn. 1-270- veröffentlicht am 29. April 2021


Samstag, 24. April 2021

Baldkanzlerinnenstart

„Ich bin vielleicht nicht der Mann der perfekten Inszenierung, aber ich bin Armin Laschet und darauf können Sie sich verlassen.“
Armin Laschet am 16. Januar 2021

„Ich freu mich über die Nominierung und ich will gewinnen.“
Olaf Scholz am 10. August 2020

„CDU hat nach Kanzlerkandidaten-Votum für Laschet offenbar mit Austritten zu kämpfen“.
Deutschlandfunk  am 22. April 2021

„…und so ist die größte Erkenntnis des Ausschusses, dass Scholz einen Teampartner braucht, der Herzen erobern kann.“
Süddeutsche Zeitung am 23. April 2021

„Ich trete an für Erneuerung. Für den Status Quo stehen andere. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dieses Land einen Neuanfang braucht.“
Annalena Baerbock am 19. April 2021

„Wirtschaftselite favorisiert Baerbock – EZB-Präsidentin erfreut über Kanzlerkandidatur von Grünen-Chefin“
Deutschlandfunk am 22. April 2021

Samstag, 17. April 2021

Wortschöpfungshyperscale

Beim Hyperscale-Rechenzentrum mit integriertem Datendrehkreuz und angeschlossenem Digitalpark trifft Relevanz nur dann auf Chance, wenn es nach EU-Standards in ein GAIA-X-Infrastruktur Ökosystem mit belastbaren Datentrassen auf Weltklasseniveau eingebunden ist. Das Vorhaben im Herzen Europas kann aber nur schwer ohne die Beteiligung US-amerikanischer und chinesischer Unternehmen gelingen, weil sie auf absehbare Zeit gerade auf dem Rechenzentrumsmarkt führend sind.  

„Um aber gestalterisch in dieser Region eine Plattform darstellen zu können, ist zunächst neben der Ansiedlung der Dateninfrastrukturen auch ein Bewusstsein in der Region zu schaffen, damit diese gemeinsam die Vorteile und Errungenschaften digitaler Infrastrukturen wertschätzen und weiter verbessern können. Potenzielle Nutzer sind dabei sowohl die Einwohner als auch die Wirtschaft, die Wissenschaft und die Politik.“ (S.52)  

Es kommt daher darauf an, dass die Einwohner mit Zusammenschlussvielfalt Latenz durch geographische Nähe reduzieren und wie in Amsterdam, Frankfurt, Luxemburg, Singapur oder Dubai sich auf einen Masterplan für ein markantes Image als innovative Digitalregion fokussieren, um in Millisekunden dem zunehmenden Wettbewerb mit Agilität, Disruption, dynamischer Innovationskraft, kollaborativen Ansätzen und einem eigenen Fachkräftepool begegnen zu können.  

Entscheidender Wettbewerbsfaktor für die Skalierung der Renditen des eingesetzten Kapitals sind dabei die Dichte- und Verbundeffekte einer auf Compliance-Regelung beruhenden dynamischen Entwicklung der Flächenpotenziale im Rheinischen Revier.  

Zitiert und angeregt aus: "Zukunft regional – digital: Das Rheinische Revier. Machbarkeitsstudie Dateninfrastrukturen im Rheinischen Revier" vom 15. April 2021. Sie enthält zahlreiche Business-Buzzwords und Tippfehler - z.B. "Wortschöpfung" statt "Wertschöpfung".

 

Samstag, 10. April 2021

Kraftzentrumswerte

„Es ist das große Geheimnis, dass der Kapitalismus und alle auf sichtbare Effizienz gebürsteten Strukturen nie verstehen werden, nämlich dass die Dinge, die wirklich wertvoll sind - als da sind Demokratie, Freiheit, Vertrauen, Freundschaft oder eben auch Europa - buchstäblich unbezahlbar sind. Sie haben keinen Preis und zerstieben in dem Moment in dem man den Rechenschieber anlegen will. Ihren Verlust bemerkt man meistens erst, wenn sie weg sind.“

Ulrike Guerot: Nichts wird so bleiben, wie es war? Europa nach der Krise. Eine Zeitreise. Wien-Graz 2020  

"Ein heute veröffentlichter WWF-Report beziffert erstmals die Vermögenswerte der Weltmeere - auf mindestens 24 Billionen US-Dollar. Der zusammen mit der Boston Consulting Group erstellte Report analysiert die Rolle der Weltmeere als wirtschaftliches Kraftzentrum und benennt die Bedrohungen, die es zum Kollaps  bringen können."
WWF-Pressemitteilung vom 23. April 2015

„Der Ozean ist majestätisch, weil er größer ist als wir, weil er uns stiller werden lässt, weil wir aus ihm stammen, weil unsere Körper aus Ozean bestehen. Wenn ich den Ozean als etwas ansehe, das ein Jeff Bezos oder ein Putin kaufen kann, ist er für mich weniger wertvoll.“  
Bayo Akomolafe: Wir haben die Klimakrise nicht "unter Kontrolle" - DW-Interview vom 7. Juli 2020


Samstag, 3. April 2021

Klimawohlstandscoaching

"Vielleicht hat er sich in dieser Sendung sogar endgültig um seine Option aufs Kanzleramt palavert."
Arno Frank : Ein Interview wie ein Stierkampf - Spiegel-online am 31. März 2021

„Vielen Dank, Herr Laschet. Sie haben eine Menge vor. Und bald Kanzlerkandidat. Läuft!“
Markus Lanz zum Ende seiner ZDF-Sendung am 30. März 2021

„‘Die Umwelt schützen, Spaß dabei haben und damit die Brötchen verdienen‘ ist sein Berufsmotto. Strößenreuther versteht es, für Veränderung zu sorgen und mit Profi-Campaigning Themen in die Medien zu zaubern, auf die politische Agenda zu setzen und wachsende Bewegungen aufzubauen.“
Selbstdarstellung Heinrich Stößenreuthers auf seiner Homepage "Clevere Städte“

„Denn die Erderhitzung bei 1,5 Grad abzubremsen - das ist und muss unsere gemeinsame Aufgabe sein! In Verantwortung für unsere Kinder und Enkel. Aus einer Verantwortung für die Schöpfung, unsere Natur und eine unversehrte Heimat. Und in Verantwortung für den Wohlstand und die Arbeitsplätze auf dem Weltmarkt von morgen, der schon weit vor 2050 klimaneutrale Produkte und Waren auch aus dem Industrieland Deutschland nachfragen wird.“
#KlimaWohlstand - das Upgrade der CDU-Klimapolitik durch den neuen Vorsitzenden Laschet - Petition von  Heinrich Strößenreuther 

 „Ich will Klimawohlstand. Das bedeutet, dass wir eine bessere Welt hinterlassen als wir sie vorgefunden haben – mit erfolgreichen Unternehmen und sicheren Arbeitsplätzen, die wirtschaftliche Basis unseres Erfolgs.“
CDU-Auftakt zum Wahlprogramm aus der Rede von Parteichef Armin Laschet am 30. März 2021

"Wording u Storytelling kann man auch übertreiben: Es hat sich schon mancher um Kopf und Kragen coachen lassen."
Tweet von Nils Minkmar zu #Laschet und #Klimawohlstand vom 30. März 2021


Samstag, 27. März 2021

Patriarchatszement

So zu tun, als ginge es bei den digitalen Rechten von Frauen nur um Fragen des individuellen Zugangs oder individueller Kompetenzen, blendet aus, welch großes Interesse Konzerne an datenbasierten Erkenntnissen haben und welch erhebliches Governance-Defizit in Sachen Daten und Entwicklung nach wie vor besteht.
Friedrich-Ebert-Stiftung: Der Deal unserer Träume - vorgelegt von der Arbeitsgruppe "Feministische Perspektiven zur Zukunft der Arbeit.“ Ein feministischer Aktionsrahmen für die Digitalwirtschaft,  S. 6

Datenextraktivismus – die Logik, auf der die Geschäftsmodelle der transnationalen digitalen Unternehmen aufbauen – betrifft mittlerweile jeden Aspekt des sozialen Lebens. Durch Apps, die eine immer stärkere Vermessung des Selbst betreiben, werden sogar Menstruationszyklen und intimste Sexualpraktiken auf eine nie gekannte Weise für den Markt profiliert. In dieser Neudefinition von Sozialität als Rohstoff für die Kapitalakkumulation (ähnlich der Ausbeutung natürlicher Ressourcen im Industriekapitalismus) haben die Kräfte des Kapitals auch die letzte Bastion kolonisiert: die intime Lebenswelt.
Friedrich-Ebert-Stiftung: Der Deal unserer Träume - vorgelegt von der Arbeitsgruppe "Feministische Perspektiven zur Zukunft der Arbeit“. Ein feministischer Aktionsrahmen für die Digitalwirtschaft,  S. 5

Digitalisierung zementiert patriarchalische Strukturen. Nur Männer brauchen Alexa, die ihnen den Kühlschrank befüllt. Allein schon deswegen sollte man bei dem Begriff Digitalisierung nicht gleich glänzende Augen bekommen, sondern noch hinterfragen, auf welche smarte Welt wir uns da eigentlich einlassen. (...) Wer Digitalisierung sagt, sagt noch nichts über das Soziale, also über die gesellschaftliche Veränderung dahinter.“
Ulrike Guerot: Nichts wird so bleiben, wie es war? Europa nach der Krise. Eine Zeitreise. Wien-Graz 2020


Samstag, 20. März 2021

Dezernesti

„Ihr habt die Umwelt zerstört, jetzt zerstören wir Euch, Ihr habt uns nie zugehört, jetzt überhören wir euch…“
aus Nesti: Planet der Affen – (2006)

„Endlich schließt sich der Kreis und nach Jahr‘n auf fremdem Eis bin ich endlich bereit und gebe Kenntnisse preis (…) Zu sagen was mir aufm Herzen liegt, bevor die schwarze Seite siegt, die sich wie ein roter Faden durch mein buntes Leben zieht (…) Das ist Nesti, du siehst den Eisberg schon, ich hab das Panik-Symptom, das Titanic- Syndrom (…)“
aus Nesti - Lyrics by Jens Ernesti (2001)

Ich zieh meinen Weg vom heimischen Schreibtisch ins Rampenlicht und plötzlich Gewinner (…) Auf Messers Schneide scheiden sich die Wege. Ich erlebe täglich die neunmalklugen Weisen, die es nur gut mit mir meinen, aber eigentlich auf mich scheißen (…) Ich bitte um Verzeihung, aber Eure gut gemeinten Ratschläge und Tipps sind nichts für jemand wie mich, der von sich selbst überzeugt ist.“
aus „Meinungen“ – Lyrics by Jens Ernesti. (2001)

„Denn Liebe ist, wenn ich mich selber lieb‘ und mit dem was ich von Herzen lieb' dann auch mein Geld verdien‘…“
aus „Liebe ist“  - Lyrics by Jens Ernesti (2006)

„Es ist  schön, dass unser Team in der Verwaltungsführung komplett ist. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Jens Ernesti.“
Landrat Dr. Andreas Coenen, Kreis Viersen, Pressemitteilung vom 18. März 2021

Jeder Rapper widerspricht sich im Laufe seiner Karriere ganz natürlich selbst, weil er eine Weiterentwicklung hat.“
Samy Deluxe in "16Bars.TV" am 14. März 2014


Samstag, 13. März 2021

Prachtstücksidentität

„Indem sie demjenigen Unrecht gibt, der versagt hat, ohne nach den politischen und sozialen Bedingungen des "Erfolges" zu fragen, gibt die Psychologie (...) dem System recht, das den Mißerfolg produziert hat. ‚Dem Opfer die Schuld zuschieben‘, ist ein paradoxes Kunststück, das viel Fachkenntnis und Geschick erfordert, das ist keine Arbeit für Amateure.“
Robert Castel: Der "Krieg gegen die Armut" in den Vereinigten Staaten: der Status des Elends in einer Überflußgesellschaft. In Konkursbuch Nr. 5., S. 269. Tübingen 1980 

„Wie sicher manchem Psychologen geholfen wäre, wenn er nicht seine Kunden als Karnickel betrachtete, sondern sich selbst.“
Hubert Fichte: Ketzerische Bemerkungen für eine neue Wissenschaft vom Menschen. 1976

„Ich läse gern an den Schaustücken der Sammlungen, wie sie erworben wurden, ob bei der Strafexpedition einkassiert, ob zu betrügerischerem Preis erhandelt, ob von Geistlichen unter dem Vorwand der Teufelei beschlagnahmt und dann im heimischen Museum von Geistlichen als Prachtstück ausgestellt.“
Hubert Fichte: Ketzerische Bemerkungen für eine neue Wissenschaft vom Menschen. 1976

"Was ich nicht tue: Eine Unterteilung in Identitätspolitik und etwas anderes vorzunehmen. Was sollte dieses andere sein? Wer hat keine politische Identität?“ Jagoda Marinić: Redet doch miteinander. TAZ v. 10. März 2021, S. 12


Samstag, 6. März 2021

Ohnmächtigung

"Wenn man schwer lösbare Probleme einfach fallenläßt oder sie durch "Delegation" scheinbar löst; wenn man sich allzu bereitwillig durch neue Informationen von dem gerade behandelten Problem ablenken läßt; wenn man die Probleme löst, die man lösen kann, statt diejenigen, die man lösen soll; wenn man die Konfrontation mit der eigenen Unzulänglichkeit scheut, so liegt es nahe, den gemeinsamen Nenner für all diese Verhaltens- und Denkformen in der Tendenz zu suchen, der eigenen Ohnmacht und Hilflosigkeit in einer schwierigen Situation nicht ansichtig zu werden, sich in Bestimmtheit und Sicherheit zu flüchten.“
Dietrich Dörner: Die Logik des Misslingens. Hamburg 1989, S. 88f

"Das lange Stubenleben hat die Deutschen dem öffentlichen entwöhnt, und das beständige Tragen von Schafs- oder Wolfspelzen hat Niedere und Vornehme gegen den Eindruck jedes Lüftchens empfindlich gemacht. Sie haben eine unüberwindliche Ängstlichkeit, den Gegenstand ihres Tadels genau zu bezeichnen und kenntlich zu machen."
Ludwig Börne: Ankündigung der Wage (1818) in Ludwig Börne's  Gesammelte Schriften. Erster Band, S. 66

"Wer (...) über Macht verfügen will, muss Ohnmacht aushalten können (…) 'Wissen ist Macht‘, heißt es. Doch wer sein Wissen immer mehr steigert, weiß auch immer besser,  was er alles nicht weiß. Dem Machtzuwachs (…)  steht stets ein Zuwachs an Ohnmacht und Ausgeliefertsein an das Nichtwissen gegenüber.“
Hans-Jürgen Wirth: Narzissmus und Macht. Zur Psychoanalyse seelischer Störungen in der Politik. Giessen 2002, S. 342

Samstag, 27. Februar 2021

Waldbadekippe

„Waldbaden soll dazu verhelfen, Entschleunigung zu finden, neue Lebensfreude zu schöpfen und Energiereserven einmal ordentlich aufzufüllen.“ www.kompass.de/magazin/inspiration/waldbaden

„Vor allem unsere älteren Wälder über 60 Jahre, sind von Absterbeerscheinungen betroffen. Doch auch die jüngeren Bäume zeigen einen negativen Trend.“
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2020. Februar 2021,  S. 6

„Nein, da stirbt kein Wald, da sterben Plantagen. Deutschland ist ganz überwiegend Plantagenland, und das schon seit rund 300 Jahren – seit wir geregelte Forstwirtschaft haben.“
Peter Wohlleben im Interview mit Kristian Teetz. Waldsterben in Deutschland – das sind die wahren Probleme. Redaktionsnetzwerk Deutschland vom 4. September 2019

Es ist dem Verfasser der „Silvicultura Oeconomica“, Hans Carl von Carlowitz, zu verdanken, dass nach dem 30-jährigen Krieg sich der Gedanke der Nachhaltigkeit allmählich etablierte. Mit diesem Gedanken aber wurde der wilde Wald durch den Försterwald ersetzt. (…)
Die Resilienz des Waldes steht auf der Kippe. Die Robustheit des Waldes zu schützen, ist also wichtiger denn je. Andernfalls funktioniert das angesagte „Waldbaden“ bald nur noch virtuell.
Stephan Börnecke, Deutschlandradio. Politisches Feuilleton. Beitrag vom 30.Juli 2020 

Samstag, 20. Februar 2021

Wertschöpfungskompass

„Und so sind wir heute an dem Punkt, dass die ursprünglich beabsichtigte bessere Versorgung von Menschen mit Gütern und Dienstleistungen, die sie wirklich brauchen, gar nicht mehr das eigentliche Ziel des Wirtschaftens ist. Wir haben Mittel und Zweck verdreht.“
Maja Göpel: Unsere Welt neu denken. Eine Einladung. Berlin 2020, S. 81

„Darum kommen wir nie zum Ziele, weil wir jeden Zweck, sobald wir ihn erreicht, zum Mittel erniedrigen: darum haben wir Vieles verwirrt, Vieles verwischt und mancher guten Lehre der Alten - nicht den Wert, das vermochten wir nicht - aber den Preis geraubt. Weiter sind wir freilich als die Alten, wir sind aber so weit gekommen, daß wir unsere Heimat nicht mehr finden, und während Jene in dem engern Kreise ihres Wissens alle Wege und Abwege kannten, fragen wir auf unsern weiten Fahrten in Angst und Sorgen den Kompaß um die schwankende Weltrichtung an.“
Ludwig Börne: Altes Wissen neues Leben (1823)  in Ludwig Börne's  Gesammelte Schriften. Erster Band, S. 85

„Planetenzerstörung darf nicht mehr Wachstum heißen. Reine Geldvermehrung nicht länger Wertschöpfung. Grenzen des Wachstums sollten Überwindung der ökologischen und sozialen Schadschöpfung heißen.“
Maja Göpel: Unsere Welt neu denken. Eine Einladung. Berlin 2020, S. 96


Samstag, 13. Februar 2021

Boomerimmobilität

„Der Wachstumsschub, der mit den geburtenstarken Jahrgängen („Babyboomer“) Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre (…) verbunden war, endet.
Gleichzeitig ist die erste geburtenstarke Generation der 50er Jahre in ihre Sterbephase eingetreten und es werden absehbar in zunehmender Anzahl Wohnungen und Häuser frei, gerade auch in den ländlichen Regionen. Während sich in den städtischen, wachsenden Regionen schnell Nachfolgenutzer für die Wohnungen finden, stehen in ländlichen, peripheren Regionen in zunehmendem Maße Immobilien leer…“ 
Umweltbundesamt (Hg.): Qualitative Stichprobenuntersuchung zur kommunalen Anwendung des § 13b BauGB; S. 57.

„Das alles wäre nicht weiter schlimm und völlig okay, solange sich diese großen Babys dieser Tatsache bewusst wären und das System entsprechend anpassen würden an die aktuellen Herausforderungen, statt sich in ihren Schreibtischstühlen zufrieden nach hinten zu lehnen, und neu gestalten statt Macht erhalten würden. Sie tun es nicht. Warum? Weil sie sich eine Welt ohne Speckmantel gar nicht mehr vorstellen können.“
Carolin Würfel: Zeit Platz zu machen. DIE ZEIT 07/2019 

„Merkels Politikmethode des Wartens darauf, dass die Krise so groß ist, dass sie nicht mehr ignoriert werden kann, entspricht unserem Lebensstil. Auch wenn wir das immer den anderen zuschreiben: Das sind wir. Zumindest wir Boomer.“
Peter Unfried: Merkel plus. TAZ vom 13./14. Februar 2021

Samstag, 6. Februar 2021

Sprösslingsimpulse 

"Immer mehr Firmen kommen auf uns zu und sagen 'Was können wir nachhaltiger machen?' Viele Menschen wollen nur noch in Firmen arbeiten, die auch ein gewisses ökologisches Konzept haben. Und Kinder treten ihren Eltern in den Hintern und sagen: 'Papa, Mama, was macht ihr eigentlich? Warum haben wir immer noch so ein Auto? Was produziert ihr eigentlich in eurer Firma?‘ (…)

Einmal zeigte ich Vertretern der deutschen Papierindustrie in Kanada, wo  für ihre Produkte Wald abgeholzt und fantastische Lebensräume von Tieren und Indigenen zerstört werden. Da sagte ein entscheidender Einkäufer: 'Das ist schlimm! Wenn meine Tochter das mitbekommt, redet die nie wieder mit mir!' Das sorgte dafür, dass am Ende wirklich diese ganzen Wälder geschützt wurden.“
Thomas Henningsen, Greenpeace, in "Schrot und Korn" 01/2021, S. 41


Samstag, 30. Januar 2021

Naturverzärtelung 

"Wenn jemand das Wort 'Natur' in den Mund nimmt, ist zunächst zu klären, welches kulturelle Muster von 'Natur' vorausgesetzt wird: die Ist-, also die industriell geschundene Natur, das Landleben der fünfziger Jahre (wie es sich heute im Rückblick darstellt oder wie es die damals auf dem Lande Lebenden erfahren haben), die Bergeinsamkeit, bevor es das Buch ‘Wandern in den einsamen Bergen‘ gab, die Natur der Naturwissenschaft, die ersehnte Natur (im Sinne von Ruhe, Gebirgsbach, innerer Versenkung) (...) das 'robuste' Naturbild der Manager, nach dem Eingriffe der Industrie in die Natur durchaus kompensierbar sind, oder das Bild der 'sensiblen' Naturbewegten, nach dem selbst kleinste Veränderungen irreparable Schäden bewirken? (...) 

Natur ist nicht Natur, sondern ein Begriff, eine Norm, eine Erinnerung, eine Utopie, ein Gegenentwurf: heute mehr denn je. Natur wird zu einem Zeitpunkt wiederentdeckt, verzärtelt, an dem es sie nicht mehr gibt.“
Ulrich Beck: Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit. Frankfurt am Main 2007, S. 156


Samstag, 23. Januar 2021

Entlernensnotwendigkeit

„Der populistische Glaube, die ethnische Mehrheit eines Landes habe Vorrechte und Minderheiten müssten nicht bedacht werden, ist wie ein Parasit für den politischen Körper der liberalen Demokratie, weil er ausgerechnet die Institutionen unterminiert, auf denen er beruht. Er nährt sich am Prinzip des Sündenbocks, bei dem die Schuld am Unbehagen und Elend einer Gemeinschaft stets dem anderen gegeben wird.“
Siri Hustvedt  (DER SPIEGEL vom 15.1.2021)

Für mich wäre wichtig, dass im Bildungsbereich das Thema Kolonialismus und Rassismus viel intensiver bearbeitet wird. (…) Wir wachsen alle in einer Gesellschaft auf, in der Rassismus üblich ist. Wir müssen Rassismus entlernen.
Aminata Touré (DIE WELT vom 3.6.2020)
 
„Ein Entlernen wird dann notwendig, wenn etwas Neues gelernt werden soll.“ Erich Staudt u.a.: Kompetenzentwicklung und Innovation (2002),  S.379

„Wir müssen lernen, eine Politik der Zukunft zu denken, die den Menschen «zu Hause» und den Menschen «unterwegs» einen gleichwertigen und würdigen Status zusichert. “
Homi Bhaba (Neue Zürcher Zeitung vom 2. Dezember 2020)


Samstag, 16. Januar 2021

Denkmalsentstehung

„Es besteht weder genehmigungsrechtlich noch aus der Verkehrssicherheit der vorhandenen Bausubstanz der stillgelegten Kraftwerksanlagen eine Verpflichtung, den Rückbau in absehbarer Zeit umsetzen zu müssen. (…) 

Vor einer Realisierung muss (…) die Differenz zwischen den voraussichtlichen Rückbaukosten und den zu erwartenden Erlösen (Verschrottung und Flächenvermarktung) gelöst werden..." 
RWE-Vortrag zum Konzept des Frimmersdorfer Innovations- und Technologiezentrums  (FrITZ) im Grevenbroicher  Stadtrat am 24. Januar 2019

„Im weiteren Verfahren sollte geprüft werden, ob die Möglichkeit besteht, den zu erwartenden Konflikt zwischen der Erreichung des Planungsziels auf der einen Seite sowie dem Erhalt der die Kulturlandschaft prägenden Kulisse des Kraftwerks Frimmersdorf auf der anderen Seite zu lösen.“ 
Begründung  zur 5. Änderung des Regionalplans Düsseldorf (RPD) im Gebiet der Stadt Grevenbroich und der Gemeinde Rommerskirchen, S. 18  im Düsseldorfer Regionalrat am 17. Dezember 2020

Frühere Zeiten repräsentierten sich durch Schloss- und Kirchenbauten, in den 20er und 50er Jahren waren es die Kraftwerke, die durch eine außergewöhnliche Architektur bestachen."
Prof. Dr. Walter Buschmann. NGZ 12.1.2009

„Firmen brauchen Platz, um sich ansiedeln zu können (…), Ideen, wie die, das Kraftwerk Frimmersdorf komplett unter Denkmalschutz zu setzen, wären kontraproduktiv.“
Hans-Jürgen Petrauschke, NGZ-Online v. 30.12.2020 


Samstag, 9. Januar 2021

Dorftötung

„Die Umsiedlung der Erkelenzer Ortschaften Keyenberg, Kuckum, Unter- und Oberwestrich sowie Berverath, Garzweiler II, ist entsprechend dem Braunkohlenplan (…) an den Umsiedlungsstandort Erkelenz-Nord sozialverträglich fortzusetzen und bis spätestens zum Jahr 2028 abzuschließen.“
Entwurf einer neuen Leitentscheidung: Neue Perspektiven für das Rheinische Braunkohlerevier. Beschluss der Landesregierung vom 6. Oktober 2020 , S. 28  

"Offenbar ist das Dorf für viele ein Gegenprogramm zur immer schneller ablaufenden Modernisierung, Virtualisierung und Globalisierung (…). Ein Lebensraum, der verstanden wird und der Sicherheit gibt.“
Gerhard Henkel: Das Dorf - Landleben in Deutschland gestern und heute. Stuttgart 2012, S. 9

"Dabei fiel mir erst jetzt auf, dass diese oft tausendjährigen Dörfer seit einer Gebietsreform in den siebziger Jahren amtlich nicht mehr Dörfer genannt wurden, sondern Stadtteile hießen. Stadtteile der entfernt liegenden Städte Erkelenz und Jüchen. Offiziell gab es seitdem keine Dörfer mehr.“
Ingrid Bachér: Die Grube. Berlin 2011, S. 46


Samstag, 2. Januar 2021

Neues Normal

"Ein 'neues Normal' kann schnell kommen, durch Attraktion, Einsicht, Angst oder Zwang. Manch eine/r kann sich schon nach sehr kurzer Zeit kaum noch vorstellen, dass es jemals anders war. (...)
Autofreie Innenstädte bei gleichzeitiger Förderung von Fuß-, Rad und öffentlichem Verkehr, die Vollversorgung mit erneuerbaren Energien bei gleichzeitig reduziertem Energieverbrauch, natur- und artgerechte Landwirtschaft bei gleichzeitiger Umstellung von Ernährungsgewohnheiten, vor allem weniger Fleischverzehr, sozialökologisch verantwortliches Unternehmertum bei gleichzeitiger Abkehr von einseitiger Wachstumsfixierung, all das ist möglich. Wir können es tun. Wir sollten uns trauen."
Reinhard Loske: Traut Euch. Politische Ökologie vom Dezember 2020 S. 88 - 94

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